Bastian war nicht Stasi-IM
Petra Kelly und Gert Bastian waren in den 80er Jahren die wichtigsten Verbündeten der DDR-Friedensbewegung in der bundesdeutschen Linken. Während sich die SPD nach dem alten Rezept «Wandel durch Annäherung» mit der SED einließ und die Mehrheit der Grünen nicht so recht wusste, wie sie sich zum anderen deutschen Staat stellen solle, näherten sich Kelly und Bastian dem Wandel in der DDR an, wo er tatsächlich geschah. Sie reisten häufig nach Ost-Berlin, verschafften der Friedens- und Bürgerbewegung Material und Technik für ihre Publikationen und, wichtiger noch, Popularität im Westen.
Wie heute bekannt ist, hatten West-Mitarbeiter der Stasi den Auftrag, der Friedensbewegung in der Bundesrepublik einen antiamerikanischen Einschlag zu geben. Das war leicht angesichts der martialisch auftretenden Reagan-Regierung. Die nichtstaatlichen «Frauen für den Frieden», die «Initiative für Frieden und Menschenrechte» und die vielen kleineren Gruppen unter dem Dach der evangelischen Kirche in der DDR dagegen sahen keinen Unterschied zwischen den in der DDR stationierten sowjetischen «SS 20»-Raketen und den «Pershings» der USA in der Bundesrepublik. Sie wurden zu den internationalen Konferenzen der Friedensbewegung eingeladen, durften jedoch nicht reisen, zuletzt nicht einmal mehr ins sozialistische Ausland.
Die DDR wagte es nicht, mit populären Bürgerrechtlern so umzugehen, wie sie mit Unbekannten zu verfahren pflegte: Kriminalisierung, Haft. Sie war auf internationale Anerkennung angewiesen, schon wegen ihrer wachsenden ökonomischen Probleme. Als Bärbel Bohley in Haft genommen wurde, war es Petra Kelly, die im Westen gegen diese Maßnahme Stimmung machte und sogar Regierungen zu Appellen mobilisierte.
Bohley wurde ohne Prozess ins Ausland abgeschoben, später aber wieder in die DDR gelassen - eine Sensation ohne Beispiel. Das Regime fürchtete eine Neuauflage des vernichtend schlechten Bildes, das zehn Jahre zuvor nach der Ausbürgerung des kritischen Liedermachers Wolf Biermann und durch den Hausarrest gegen den Bürgerrechtler Robert Havemann in aller Welt von der DDR gezeichnet worden war.
Als die Stasi-Akten zugänglich wurden, begann auch die Suche nach Hinweisen auf eine Stasi-Mitarbeit Bastians. Die Spekulationen über ihn erhielten neue Nahrung durch das mysteriöse Ende des Ex-Generals und seiner Lebensgefährtin: Bastian tötete Kelly am 1. Oktober 1992 und richtete die Waffe dann gegen sich selbst. Er habe das getan, weil er die Offenlegung außerordentlich peinlicher Wahrheiten fürchte, mutmaßten nicht wenige. Die Nachforschungen führten aber mangels Akten zu nichts.
Für ehemalige DDR-Oppositionelle bedeutet diese Nachricht eine Genugtuung. Die Stasi hatte so viele ihrer vermeintlichen Freunde korrumpiert, dass Beweise für Bastians Mitarbeiterschaft eine weitere traurige Gewissheit gebracht hätten. Dass er, wie sie sagen würden, «echt» war, ist dagegen ein kleiner Sieg gegen Mielkes Truppen.
