18.04.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Paul Spiegel
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Zentralrat betrachtet sich als Alleinvertretung der Juden in Deutschland. Das hat das Direktorium der Organisation bekräftigt und sich im Streit mit den Progressiven Juden hinter Präsident Spiegel gestellt.
Im Streit um staatliches Fördergeld zwischen dem Zentralrat der Juden in Deutschland und der «Union Progressiver Juden» (UPJ) hat das Direktorium des Zentralrats seinem Präsidenten Paul Spiegel den Rücken gestärkt. Das Direktorium bekräftige den Alleinvertretungsanspruch für alle in Deutschland lebenden Juden, hieß es am Sonntag in einer Mitteilung des Zentralrates.
In der Sitzung hätten Vertreter der zum Zentralrat gehörenden Landesverbände und Großgemeinden Spiegel in der Auseinandersetzung mit der UPJ einstimmig ihre volle Unterstützung zugesichert. Zuvor hatte Spiegel der UPJ «Verleumdungen und unwahre Behauptungen im Rahmen einer öffentlichen Kampagne» vorgeworfen.
Nach Informationen der Netzeitung gibt es jedoch Stimmen innerhalb des Zentralrats, die dem Kurs Spiegels kritisch gegenüberstehen.
Bereitschaft zu GesprächenDas Direktorium erklärte dagegen, es gebe keine Unstimmigkeiten im Zentralrat im Zusammenhang mit dem Zank um öffentliche Mittel. Anders lautende Berichte seien «frei erfunden», hieß es. Ein hochrangiges Mitglied eines Landesverbandes sagte hingegen der Netzeitung, die Stimmung innhalb der jüdischen Gemeinschaft sei «mies». Demnach seien einige Landesverbände der Auffassung, Spiegel habe sich im Ton vergriffen und den Konflikt mit den Liberalen unnötig geschürt.
Der Zentralrat erklärte dagegen am Sonntag, er vertrete seit seinem Bestehen alle Strömungen des Judentums. Dazu gehörten auch liberale Jüdische Gemeinden unter dem Dach des Zentralrats.
Außerdem wiederholte das Direktorium die Bereitschaft des Zentralrats zu Gesprächen mit der UPJ, «wenn diese die föderalistischen Strukturen und die Satzung, insbesondere das Territorialitätsprinzip des Zentralrats, anerkennen.» Die UPJ betritt hingegen am Sonntag Spiegels Behauptung als «unzutreffend», die Union sei nicht bereit, die föderalistischen Strukturen des Zentralrates zu akzeptieren.
3000 liberale Juden sind UPJ-MitgliederIn der UPJ sind etwa 3000 liberale Juden in Deutschland organisiert. Da sie nicht dem Zentralrat angehört, erhält die Union auch keine regelmäßige öffentliche Unterstützung.
Dagegen erhält der Zentralrat nach einem 2003 abgeschlossenen Staatsvertrag jährlich drei Millionen Euro Fördergelder. An diesem Mittwoch wollen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesinnenminister Otto Schily mit Spiegel in Berlin über eine mögliche Neuaufteilung der Finanzmittel sprechen. (nz)