Nach einem Medienbericht wurde der größte Kokaindeal in der deutschen Kriminalgeschichte von der Polizei nicht aufgedeckt, sondern selbst eingefädelt. Der hessische Rundfunk berichtet, die Polizei habe das im Oktober 2002 gefundene Kokain bestellt, um Dealer in Europa zu überführen. Die Methode sei äußerst fragwürdig, weil die Polizei selbst an der Kriminalität beteiligt sei.
Man habe im Sommer 2001 erfahren, dass eine große Lieferung Kokain aus Kolumbien nach Europa gebracht werden sollte. «Den Ermittlungsbehörden bot sich hier die Gelegenheit, eine große Rauschgiftmenge vom Markt zu nehmen und sowohl Täter als auch Hintermänner festzunehmen.» Der hessische Rundfunk berichtet dagegen, die Polizei habe das Kokain selbst eingekauft. Anschließend hätten sie den Transport nach Deutschland gesteuert. Eine Scheinfirma der Polizei habe in Hessen eine Lagerhalle gemietet, wo das Kokain schließlich gefunden worden sei. Opposition fordert Aufklärung Die hessische Opposition reagierte empört. Der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Wiesbadener Landtag, Jürgen Walter, sagte am Dienstag, sollten die Vorwürfe zutreffen, wäre dies der größte Polizeiskandal in der hessischen Geschichte. Er kritisierte, der von Innenminister Volker Bouffier (CDU) «zur ausgiebigen Selbstdarstellung genutzte Fahndungserfolg scheint sich als durch und durch inszenierte Aktion herauszustellen». Die in der Nähe von Kassel gefundenen 1,2 Tonnen Kokain seien von der Polizei offenbar bestellt worden. Er forderte, Innenminister Bouffier müsse die offenen Fragen «unverzüglich beantworten». Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Tarek Al-Wazir, sagte, es sei inakzeptabel, wenn durch das Vorgehen der Polizei eine Drogennachfrage überhaupt erst geschaffen worden sei. Der Kokainschmuggel sei offenbar gezielt während des Landtagswahlkampfes inszeniert worden. (nz)
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