Union fordert wegen «massiver Terrorgefahr» Abschiebung von Verdächtigen
24.03.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Deutschland ist «in massiver Weise vom Terror» bedroht, so Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU). Dem müsse man Rechnung tragen. Daher sollten solche «Gefährder» gar nicht erst ins Land kommen oder schnell wieder abgeschoben werden können.
Bisher verbietet das Datenschutzgesetz eine solche zentrale Erfassung. Daher will die Union dieses Gesetz «anpassen».
Bundesinnenmister Otto Schilys (SPD) Pläne gehen nicht ganz so weit, jedoch will auch er Terror-Verdächtige los werden. Als Kriterium könne beispielsweise ein Aufenthalt in einem Trainingslager der Al Qaeda herangezogen werden - ein Vorschlag, den auch Beckstein machte.
Allerdings sprachen die Innenpolitiker von einer recht großen Zahl von potenziellen Verdächtigen. Thomas Schäuble, Innenminister von Baden-Würtemberg, sagte, allein in seinem Bundesland habe man rund 100 Personen ausgemacht, die von einer solchen Abschiebung «betroffen sein könnten». Wenn man den Kreis auf die Personen erweitere, die führende Positionen bei verbotenen Vereinen innehaben, würden noch einmal 50 bis 100 Verdachtsfälle dazu kommen.
Laut Beckstein rechnet die Union mit bundesweit 2000 bis 3000 Personen, die als «Gefährder» eingestuft werden könnten.
Der Aufwand, diese hier zu überwachen, sei enorm, so Beckstein. Außerdem könne man trotz dieser Mühe keine lückenlose Beobachtung gewährleisten. «Verdacht und Gefahr sind verwandte Begriffe. Und jeder, der gefährlich ist, muss ausgewiesen werden», so Beckstein.
Und schließlich, so sagte einer der Innenpolitiker neben das Mikrofon, habe man das Problem ja nicht gezüchtet.
Auch die Einrichtung einer «Einlader-Warndatei» wurde vorgeschlagen. In dieser sollten all jene Personen erfasst werden, die jemanden nach Deutschland eingeladen haben, der hier dann Straftaten beging.
Für das Web ediert von Kai Biermann

