Gerster schloss drei weitere Beraterverträge ohne Ausschreibung
Zwei Aufträge an die Beraterfirma Roland Berger vom 22. April und 18. Juli 2003 haben ein Volumen von 625.000 Euro und 398.000 Euro. Gegenstand sind Leistungen im Zusammenhang mit der Arbeitsmarktinspektion und der Auszahlung des Kindergelds. Der Vertrag mit IBM hat ein Volumen von 640.000 Euro und betrifft ein Servicecenter für IT-Leistungen. Alle Aufträge seien von der Fachebene, nicht vom Vorstand vergeben worden, hieß es aus BA-Kreisen. Allerdings sei im Fall Roland Berger nicht auszuschließen, dass die Ausschreibung bewusst umgangen worden sei.
In Kreisen der rot-grünen Koalition und im Verwaltungsrat der BA hieß es, nach diesen neuen Enthüllungen sei Gerster vermutlich nicht mehr zu halten. Der BA-Chef lehnt einen Rücktritt bislang ab. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte sich noch am Dienstag an Gersters Seite gestellt.
Der Fernsehsender n-tv berichtete unter Berufung auf Kreise in der BA-Verwaltung, möglicherweise werde Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) nicht länger zu Gerster halten. «Möglicherweise wird alles ganz schnell gehen», hieß es.
Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Wirtschaft der Unionsfraktion, Karl-Josef Laumann, sagte nach Bekanntwerden der Vorwürfe, sollten sich die neuen Vorwürfe bestätigen, müsse Gerster sofort entlassen werden. Sollte der Wirtschaftsminister weiterhin zu Gerster halten, werde das Ganze zu einem Fall Clement. Bei der BA sei «im Interesse der vielen Arbeitslosen und Beitragszahler einen echter Neuanfang» nötig, erklärte Laumann.
Zudem wurde sie nach ZDF-Angaben an einen unbekannten Ort verlegt, damit die Teilnehmer sich nicht durch das überwältigende Medieninteresse gestört fühlten. Beim Verlassen der Sitzung wollte die Verwaltungsratsvorsitzende und stellvertretende DGB-Chefin Ursula Engelen-Kefer keine Stellungnahme abgeben.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Grotthaus sagte dazu, es komme darauf an, ob Gerster im Wirtschaftsausschuss die Wahrheit gesagt habe. Dort hatte der BA-Chef zugegeben, einen Fehler gemacht zu haben, indem er den WMP-Auftrag nicht ausgeschrieben habe. (nz)

