06. Jan 2004 14:55, ergänzt 16:23
Ein Rostocker Autohaus hat eine Art Kameradschaftstreffen von SED- und PDS-Prominenz aus Anlass der frühzeitigen Haftentlassung Egon Krenz' veranstaltet. Der Honda-Konzern ist nicht erfreut.
Die Haftentlassung des ehemaligen SED-Funktionärs und DDR-Staatsratsvorsitzenden Egon Krenz ist in einem Rostocker Autohaus mit viel sozialistischer Prominenz und dem letzten Innenminister der DDR gefeiert worden. Kein Zufall - der Honda-Händler Ulrich Peck war der letzte Chef der sozialistischen Jugendorganisation FDJ im DDR-Bezirk Rostock gewesen. Zur «Willkommen-zurück-Feier» für den vormals verdienten, dann aus seiner Partei ausgeschlossenen Genossen Krenz erschienen zur Überraschung vieler auch PDS-Chef Lothar Bisky, ein Mann, der nach eigenem Bekunden wenig für die von Krenz und seinen Gesinnungsfreunden vorgetragene DDR-Nostalgie übrig hat, sowie der parlamentarische Geschäftsführer der brandenburgischen PDS, Heinz Vietze, und der PDS-Vizevorsitzende und mecklenburg-vorpommersche Umweltminister Wolfgang Methling.
Die Bedeutung der auch in der PDS umstrittenen Feier am vergangenen Sonnabend, die erst jetzt durch Medienberichte bekannt wurde, wird von den Teilnehmern heruntergespielt. Methling sagte der Nachrichtenagentur ddp, er habe auf Einladung «als Privatperson» an der Feier teilgenommen, Krenz habe seine Strafe abgesessen und sei «Bürger dieses Landes». Bisky sprach gegenüber der «Märkischen Allgemeinen» von einer «privaten Angelegenheit». Im Übrigen halte er die Aufarbeitung der Vergangenheit für unzureichend: «Es geht nicht, dass Gorbatschow Ehrenbürger von Berlin wird und Krenz in den Knast wandert». Er habe Meinungsverschiedenheiten mit Krenz, aber keinen Grund, ihn zu meiden, sagte Bisky, der ein Treffen zum Austausch mit dem Nachfolger Honeckers ankündigte.
Einige jener, die an der DDR-Regierungsspitze Einmischung in Privatangelegenheiten der Bürger mindestens billigend in Kauf genommen hatten, feierten unter den rund 100 Gästen des Autohauses mit, darunter Ex-DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler und sein früherer Stellvertreter Fritz Streletz, ehemalige Mitangeklagte Krenz'. Ein weiterer Gast erklärte sich mit den drei Herren gegenüber der «MAZ» ausdrücklich solidarisch: Peter Michael Diestel sagte, er sei «immer gegen die Art» gewesen, wie sie nach der Wende «behandelt wurden». Diestel war zwar auch einmal DDR-Minister gewesen - für Inneres - doch war seine Partei die CDU. Aus Sicht von Bürgerrechtlern gehört die Vernichtung der Auslandsaufklärungs-Akten der Staatssicherheit 1990 zu den folgenreichsten Fehlern seiner Amtszeit.
Das harmonische Bild wird durch den Autokonzern Honda gestört, der wenig Verständnis für das Kameradschaftstreffen aufbringt. Ulrich Peck muss mit vertragsrechtlichen Konsequenzen rechnen, wie Alexander Heintzel von Honda Motor Europe am Dienstag der Nachrichtenagentur AP ankündigte: «Dass ein Vertragshändler unseres Hauses seine Ausstellungsräume in aller Öffentlichkeit dazu missbraucht, ehemalige SED-Größen zu einer feuchtfröhlichen Feier für den aus der Strafhaft entlassenen Egon Krenz zu empfangen, findet bei uns die schärfste Missbilligung.» Der Händler habe seine vertragliche Verpflichtung zur Rücksichtnahme auf die berechtigten Interessen von Honda «gröblich verletzt», sagte Heintzel. (nz)