03.10.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Kertesz kritisiert Haltung Deutschlands zu Irak
Literaturnobelpreisträger Kertesz hat in Magdeburg Deutschlands Europapolitik und die Haltung zu Irak kritisiert. Zugleich erinnerte er an «freudetrunkene» Menschen beim Fall der Mauer.
Der ungarische Literaturnobelpreisträger Imre Kertesz hat beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Magdeburg die deutsche Europapolitik kritisiert. Kertesz sagte am Freitag als Hauptredner, die Idee eines «Kern-Europas» sei von den osteuropäischen Staaten als «hochmütige Theorie» und Versuch wahrgenommen worden, sie von Entscheidungen fernzuhalten.
Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hatte vor drei Jahren in einer Grundsatzrede für die Idee einer verstärkten Zusammenarbeit europäischer Kernstaaten geworben.
Kertesz beklagte die Zerstrittenheit Europas über den Irak-Krieg. Europa sei dabei scheinbar «in seine alten Strukturen zurückgefallen». Plötzlich habe man offenbar vergessen, wer Freund und wer Feind sei. Es sei zu «lächerlichen Wortschlachten» gekommen zwischen Befürwortern und Gegnern des Krieges.
Kertesz: Bilder von tanzenden MenschenDer ungarische Schriftsteller verwies darauf, dass die osteuropäischen Staaten an der Seite der USA und Großbritanniens gestanden hätten. Die Gründe dafür hätten eine «ernsthafteren Analyse verdient» als dies geschehen sei.
Kertesz schilderte zugleich seine persönlichen Erfahrungen mit dem geteilten und nun wiedervereinigten Deutschland. Der Literaturnobelpreisträger erinnerte dabei an die Rolle Ungarns für das Ende des Eisernen Vorhangs und die Wiedervereinigung der Deutschen. Er habe noch immer die Bilder der geöffneten ungarisch-österreichischen Grenze im Kopf, von freudetrunkenden Gesichtern und tanzenden Menschen. «Die deutsche Einheit begann mit Tanzschritten», sagte Kertesz. (nz)