Wallraff weist Stasi-Vorwurf zurück
11.08.2003
Herausgeber: netzeitung.de
Die «Welt» hatte über eine neu aufgetauchte Karteikarte berichtet, auf der Wallraff als aktiver Mitarbeiter der Stasi-Auslandsspionage registriert worden sei. Ein Sprecher der Behörde der Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen in Berlin sagte am Montag, man habe weiterhin keine Veranlassung zu der Annahme, dass Wallraff Mitarbeiter der Stasi gewesen sei. Schon Mitte der Neunzigerjahre hatte es derlei Vorwürfe gegeben.
Nach Darstellung der «Welt» war Wallraff im April 1968 als aktiver Mitarbeiter angeworben worden. Bis 1971 habe er unter dem Decknamen «IM Wagner» Unterlagen der Bundeswehr-Offiziersschule Hamburg-Wandsbek und Informationen über biologische und chemische Waffen in Westdeutschland an die DDR weitergegeben, schrieb die «Welt» unter Berufung auf die Stasi-Unterlagen.
Tatsächlich gilt es als schwer nachweisbar, wie genau die Staatssicherheit sich bei der Registrierung und »Führung« inoffizieller Mitarbeiter (IM) an die eigenen, der Papierform nach eindeutigen Regeln hielt. Während die Akten die Realität im Rahmen menschlicher Fehlbarkeit korrekt widerspiegeln, so weit sie Fakten erfassen, ist die Zuordnung dieser Informationen zu bestimmten Quellen gelegentlich aus Gründen interner Geheimhaltung schwierig.
Wallraff beruft sich auf die Stasi-Einschätzung, er hänge wirren anarchistischen Vorstellungen an und sei vom marxistisch-leninistischen Standpunkt nicht zu überzeugen. Diesen Vermerk habe er schriftlich. Dem Springer-Verlag warf Wallraff eine «Rufmordkampagne» vor. Offenbar wolle man alte Rechnungen begleichen. «Bei denen bin ich als Feindbild gespeichert, das grenzt schon fast an Paranoia.»
Der oppositionelle Liedermacher Wolf Biermann hatte nach seiner erzwungenen Ausbürgerung aus der DDR 1976 einige Zeitlang in Wallraffs Wohnung in Köln gelebt, bis er sich schließlich in Hamburg niederließ. (nz)

