31. Jul 2003 23:01
FDP-Chef Westerwelle hat die katholische Kirche wegen ihres Schwulen-Bildes scharf kritisiert. Homosexuelle Lebensgemeinschaften seien eine Gewinn für die Gesellschaft, sagte er.
Der Vorsitzende der FDP, Guido Westerwelle, hat homosexuelle Lebensgemeinschaften gegen Kritik aus der katholischen Kirche verteidigt. Die Haltung des Vatikans stoße auf seinen «sehr entschiedenen Widerspruch», sagte Westerwelle am Donnerstagabend in den ARD-«Tagesthemen». Wenn ein Mensch in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft Verantwortung für den anderen auch bis in den Tot übernehme, sei das ein gesellschaftlicher Wertegewinn und kein Verlust.Westerwelle wies auch die Forderung zurück, katholische Politiker sollten mit entsprechenden Gesetzen gegen schwule Lebensgemeinschaften vorgehen. Er bezeichnete dies als «unzulässige Einmischung».
Er habe zwar Verständnis für diejenigen, die «mit ihrem Moralverständnis des 19. Jahrhunderts» damit Probleme hätten, sagte der FDP-Politiker. Doch sei gleichgeschlechtliche Partnerschaft «gesellschaftliche Realität». Dies dürfe nicht diskriminiert werden, betonte er.Die Einstellung der katholische Kirche bezeichnete Westerwelle als «sehr rückständig». Ein Gesellschaftsbild unter solchen Vorzeichen stehe in einer verheerenden Tradition der vergangenen Jahrzehnte, sagte er. Westerwelle beklagte in diesem Zusammenhang die Einstellung der Kirche zu Kondomen. Wenn diese verboten seien, obwohl sich Aids in Afrika «wie die Pest ausbreite, wenn Verhütung immer noch beschimpft werde, dann kann das von mir nicht akzeptiert werden».
Papst Johannes Paul II. hatte sich am Donnerstag gegen die Gleichsetzung homosexueller Lebensgemeinschaften mit Ehen ausgesprochen. (nz)