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Friedmans Erklärung im Wortlaut

08. Jul 2003 13:29
Der TV-Moderator Michel Friedman hat einen Strafbefehl wegen Kokainbesitzes akzeptiert. Zugleich kündigte er seinen Rücktritt von allen gewählten Ämtern an. Die Netzeitung dokumentiert seine Erklärung im Wortlaut.

«Meine Damen und Herren - ich hoffe, hier sind auch noch ein paar Freunde -, ich bitte Sie um Verständnis dafür, dass ich in meiner Angelegenheit bisher geschwiegen habe.

Mehr in der Netzeitung:
Ich bitte Sie auch, zu verstehen, dass ich anschließend keine Fragen beantworten werde. Ich brauche noch Ruhe und Distanz. Ich möchte mit meinen Freunden sprechen, nachdenken und den begonnenen Lernprozess fortsetzen.

»Drogen sind keine Hilfe«

Mir lag daran, die Entscheidung der Justiz abzuwarten. Diese Entscheidung ist nun gefallen. Ich habe für das, was ich getan habe, eine Strafe bekommen. Ich akzeptiere diese Strafe. Wir leben in einem Rechtsstaat.

Drogen in einer Lebenskrise, auch in meiner Lebenskrise, sind keine Hilfe. Sie täuschen und sind gefährlich. Das sage ich vor allen Dingen jungen Menschen.

»Ich habe einen Fehler gemacht«

Ich habe in meiner politischen und journalistischen Tätigkeit Menschen hart befragt, auch nach ihren politischen Fehlern. Nun muss ich akzeptieren, dass dieser Maßstab - auch wenn es privat ist - an mich angelegt wird. Deswegen klipp und klar, ohne Wenn und Aber: Ja, ich habe einen Fehler gemacht.

Ich habe auch in meinem politischen und journalistischen Leben, meine Damen und Herren und liebe Freunde, gefragt, was bedeutet das, wenn man einen Fehler macht, und welche Konsequenzen zieht man. Auch dieser Maßstab gilt für mich selbst: Ich werde alle öffentlichen gewählten Ämter, die ich bisher innehabe, jetzt zurückgeben.

»Bereue tief, was mich straucheln ließ«

Ich habe Menschen enttäuscht, auch Menschen in meiner jüdischen Gemeinschaft, auch Minderheiten; Menschen, für die ich seit über drei Jahrzehnten gearbeitet habe, aber auch meinen Sender, den Hessischen Rundfunk, und die ARD. Ich kann nur sagen - und ich hoffe, Sie glauben mir das -, dass ich mit aller Kraft versuchen werde, dieses verlorene Vertrauen wieder zurückzugewinnen.

Den Freunden, die mir in dieser schweren Krise geholfen haben, beigestanden haben, 24 Stunden am Tag, denen möchte ich von ganzem Herzen für diese Hilfe danken. Sie wissen, wie tief ich es bereue, was mich straucheln ließ.

Bitte um Respekt für Privatsphäre

Das gilt in erster Linie für Bärbel Schäfer, die Frau, die ich von tiefem Herzen liebe und mit der ich meine Zukunft gestalten will und die von all dem so erfahren hat wie die Öffentlichkeit. Bei ihr möchte ich mich persönlich - auch in aller Öffentlichkeit - ausdrücklich entschuldigen.

Ich bitte Sie, uns bei der Arbeit zu helfen, die ein Paar leisten muss, um in solch einer Krise wieder zusammenzukommen. Ich möchte Sie dabei bitten, uns zu helfen, indem sie unsere Privatsphäre wenigstens eine Zeit lang respektieren werden.

»Das war nicht der ganze Michel Friedman«

Meine Damen und Herren, liebe Freunde, Menschen machen Fehler, Menschen irren sich. Auch ich habe Fehler gemacht, auch ich habe mich geirrt. Das soll nicht mein Verhalten relativieren oder gar verharmlosen. Ich sage es nur, weil ich erklären möchte, dass auch ich nur ein Mensch bin.

Ich habe zum Schluss nur zwei Bitten: Ich entschuldige mich von ganzem Herzen für alles, was ich gemacht habe. Aber ich bitte Sie, ich bitte Sie genau so von vollem Herzen, nicht zu vergessen, dass das nicht mein ganzes Leben war, dass das nicht der ganze Michel Friedman ist.

»Ich bitte um eine zweite Chance«

Und eine zweite Bitte habe ich: Ich entschuldige mich noch einmal bei allen, aber ich bitte Sie um eine zweite Chance. Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit.» (nz)

 
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