«Spiegel»: Kohl vergleicht Thierse mit Göring
31.08.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Da dachte der Altkanzler wohl, er sei unter Freunden. Aber der «Spiegel» war irgendwie doch wieder dabei.
Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) hat mit einer angeblichen Bemerkung über den Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse (SPD) für Empörung in den Reihen der Sozialdemokraten gesorgt. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» am Samstag berichtete, habe Kohl am Donnerstag im Anschluss an die Sondersitzung des Bundestags zur Hochwasserkatastrophe Thierse mit Hermann Göring verglichen. «Das ist der schlimmste Präsident seit Hermann Göring», soll Kohl seien Begleitern während eines Essens in kleiner Runde anvertraut haben.
Die Runde genießt das Essen und schweigtIn der geselligen Runde dabei gewesen seien laut «Spiegel» auch drei führende Christdemokraten und ein ehemaliger FDP-Bundesminister. Zu einem Widerspruch habe sich allerdings keiner der speisenden Ex-Koalitionäre bemüßigt gefühlt.
Einer der Tischgenossen, der Ex-Staatssekretär Willy Wimmer, soll dem «Spiegel» anschließend geraten haben: «Sprechen sie mich nicht auf das Thema an!». Immerhin sei es am Tisch neben historischen Betrachtungen «auch um andere Themen» gegangen.
Nichts gehörtEx-Staatsminister Schmidbauer (CSU) und Ex-Wirtschaftsminister Haussmann (FDP)hätten die Äußerungen ihres ehemaligen Kabinettschefs gar nicht erst gehört, sagten sie dem Hamburger Magazin. Der Bundestagsabgordnete Roland Pofalla, der ebenfalls am Tisch gesessen haben soll, wollte den Bericht nicht kommentieren.
Thierse hatte in der vorangegangenen Bundestagssitzung den Unmut der Christdemokraten hervorgerufen. Er war während der Rede des Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber (CSU) ihrer Meinung nach zu spät gegen irritierende Zwischenrufer aus den Regierungsfraktionen vorgegangen.
Stiegler: «Ungeheuerlich»Der SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler rief den Altkanzler Kohl auf, sich «eindeutig und unverzüglich» zu dem Bericht des Magazins zu äußern. «Sollte diese Äußerung tatsächlich so gefallen sein, wäre dies eine ungeheuerliche Entgleisung und eine Beleidigung des deutschen Parlaments», empörte sich Stiegler. Kohl hatte zuvor dem «Spiegel» aber schon erklärt, zu dem Inhalt privater Gespräche keine Kommentare abgeben zu wollen. (nz)