14.08.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Leuchtendes Kunstprojekt mit Ohren: Eduardo Kac und Alba.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das genetisch veränderte Kaninchen Alba ist gestorben. Es hatte durch den Einbau eines fluoreszierenden Proteins grünlich geleuchtet. Ein Künstler hatte es für ein Projekt verwendet.
Das Leuchtkaninchen «Alba» ist tot. Der französische Forscher Lois-Marie Houdebine hatte vor fünf Jahren das
Grün-Fluoreszierende Protein (GFP) einer Qualle in das Genom von Kaninchen-Embryos eingebaut. Heraus kamen damals mehrere leuchtende Albino-Kaninchen. Houdebine wollte so den Entwicklungsweg von embryonalen Zellen während des Entstehens eines Embryos verfolgen.
Kaninchen haben normalerweise eine Lebensspanne zwischen sieben und zehn Jahren. Alba wurde fünf. Houdebine glaubt aber nicht, dass die Manipulation etwas mit dem Ableben des Tieres zu tun hatte.
Der Künstler Eduardo Kac hatte vor zweieinhalb Jahren von den Kaninchen gehört und besuchte das Institut National de la Recherche Agronomique, an dem sie genetisch verändert worden waren. «Als Eduardo Kac zu uns kam, waren wir gerade dabei, drei oder vier GFP-Hasen zu begutachten», sagte Houdebine gegenüber der Zeitschrift «Wired». «Er entschied sich für ein Kaninchen, das ihm besonders friedvoll vorkam.» Kac dagegen behauptet, Houdebine habe extra für ihn ein leuchtendes Tier «gemacht».
Das Kaninchen als KunstprojektHoudebine betont, dass er nicht damit einverstanden gewesen sei, ein Kaninchen speziell an einen Künstler abzugeben. Kac behauptet etwas anderes er sagt, dass Houdebine und er zunächst bei dem GFP-Hasen-Projekt zusammengearbeitet hätten, bis dessen Chef sich gegen das Vorhabent ausgesprochen hatte.
Eigentlich hätte der Künstler das Tier in der letzten Phase des Kunstprojekts mit nach Hause genommen und es als Haustier gehalten. Weiterhin wollte Kac das Kaninchen mit zu einer Kunstausstellung in Avignon nehmen.
«Mein Chef hat das nicht verstanden», sagte Houdebine, «Er sagte, dass ich das Tier nicht zu jemandem außerhalb des Labors geben dürfte.» Kac bekam «sein» Kaninchen daraufhin nicht mehr zu sehen.
Von Kaninchen Alba gibt es ein Foto, auf dem es grünlich leuchtet. «Unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet kann das Kaninchen niemals so grün leuchten», kritisiert Houdebine. «Er hätte das niemals veröffentlichen dürfen, damit kann ich nicht einverstanden sein.» Sowohl Houdebine als auch andere Wissenschaftler betonen, dass das Kaninchen in Wirklichkeit viel weniger intensiv leuchten würde als auf dem Foto.
Manipuliertes Kaninchenfoto«Das Bild selbst ist konstruiert», sagte Reinhard Nestelbacher, der an der Salzburger Universität als Molekularbiologe arbeitet, zu «Wired». Er hatte an einem ähnlichen Projekt gearbeitet und Zellen von Katzen das GFP-Gen implantiert. Das Kaninchen könne «niemals so aussehen. Beispielsweise befindet sich das GFP-Gen hauptsächlich in der Haut und niemals in den Haaren.»
Eduardo Kac selbst sagt, dass er das Foto nicht verändert habe. Er habe es aber unter ultravioletten Licht und mit einem Filter aufgenommen, der das Blaulicht entfernt und das fluoreszierende Licht preisgegeben hat. Er glaubt nach Angaben des Magazins auch, dass Houdebine das Tier einfach für tot erklärt hat, um endlich die Aufmerksamkeit der Medien los zu werden. (nz)