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Der Buchstabe „i“ kann Synästhetiker Blau sehen lassen, ein „a“ vielleicht Rot. Vorausgesetzt, ihnen bleibt ein halbe Sekunde Zeit.

BERLIN. Was wir mit den Augen sehen, verarbeitet das Gehirn nicht als Ganzes: Es zerstückelt die Informationen – von uns unbemerkt – in Formen, Farben, Helligkeit. Erst das Bewusstsein verbindet die Bruchstücke wieder zu einer Einheit. Unterstützt wird diese These durch eine ungewöhnliche Studie, die australische Wissenschaftler mit Synästhetikern durchgeführt haben.
Von der Form zur Farbe
Synästhetiker sind Menschen, die zum Beispiel Farben hören, Formen schmecken oder Töne fühlen können. In diesem Fall wählten die Wissenschaftler Testpersonen aus, bei denen Buchstaben und Zahlen automatisch Farbeindrücke hervorrufen. Liest ein solcher Synästhetiker also den Buchstaben «i», sieht er vielleicht die Farbe Blau, liest er ein „a“, vielleicht die Farbe Rot. Entscheidend für die Entstehung dieser ungewöhnlichen Einheit ist allerdings auch hier das Bewusstsein, wie das Forscherteam bestätigt fand.
Eine halbe Sekunde genügt
500 Millisekunden hatten die Testpersonen Zeit, um Buchstaben und Ziffern bewusst wahrzunehmen. Dann bekamen sie ein buntes Rechteck zu sehen, dessen Farbe sie so schnell wie möglich benennen sollten. Im Vergleich zu den Kontrollpersonen schnitten die Synästhetiker besser ab, wenn die Farbe des Rechtecks mit der Farbe übereinstimmte, die der Buchstabe oder die Zahl bei ihnen hervorgerufen hatte. Unterschieden sich die Farben jedoch, brauchten die Synästhetiker entscheidend länger.
Ohne Bewusstsein keine Synästhesie
Der Einfluss von Buchstaben und Ziffern auf die Benennung von Farben verschwand, als diese nur wenige Millisekunden gezeigt und so gar nicht erkannt wurden. Das Fazit der Wissenschaftler in der neuesten Ausgabe von Nature: Buchstaben und Ziffern, die von Synästhetikern nicht weit genug im Gehirn verarbeitet werden, rufen auch keine besonderen Farbeindrücke hervor. Allgemeiner ausgedrückt: Nur mit Hilfe des Bewusstseins entsteht ein einheitliches Bild.

Für das Web ediert von Maren Wernecke