Bürgschaft für Opel:
Experten für Verstaatlichung von Opel
18. Nov 2008 12:07, ergänzt 16:36
 |  Der Opel Insignia vor dem Kanzleramt | Foto: dpa |
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Der Rüsselsheimer Autobauer Opel solle sich vom Mutterkonzern GM lösen. Ein Wirtschaftsforscher forderte sorgar, dass der Staat den Konzern zurückkaufen solle.
Nach dem Opel-Krisentreffen im Kanzleramt geht die Diskussion über eine mögliche Milliarden- Bürgschaft für den Autobauer weiter. Weitere Experten forderten eine Abspaltung Opels vom schwer angeschlagenen Mutterkonzern General Motors (GM). Während sich manche Betriebsräte gegen die mögliche Bürgschaft aussprachen, strich Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück die Ausnahmerolle Opels heraus und befürwortete Notfall-Hilfen.
Umwandlung in Aktiengesellschaft
Der Staat solle Opel zurückkaufen und das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandeln, sagte Udo Ludwig vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Der Fall Opel sei kein Konjunkturproblem, sondern Folge einer importierten Finanzkrise, argumentierte Ludwig in der «Thüringer Allgemeinen». Dem müsse der Staat abhelfen, zunächst mit einer Bürgschaft. Für eine zeitweise Verstaatlichung hatte auch der «Wirtschaftsweise» Peter Bofinger plädiert.Porsche-Betriebsratschef Hück sprach sich im Falle einer GM-Pleite für Staatshilfen bei Opel aus. Von den deutschen Autobauern dürfe nach seiner Ansicht aber nur Opel Staatshilfen bekommen, sagte Hück am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. Opel selbst sei produktiv und profitabel. Die anderen Autounternehmen in Deutschland seien aber in der Regel selbst- und eigenständig - und bräuchten so wie Porsche kein Geld vom Staat.
«Hängepartie»
Gegen staatliche Hilfe sprach sich der Betriebsratsvorsitzende des Leipziger BMW-Werkes, Jens Köhler, aus. «Opel macht schwere Zeiten durch. Aber Bürgschaften sind gewiss der falsche Weg, um dem Tochter- Unternehmen von General Motors zu helfen», sagte Köhler der «Leipziger Volkszeitung». Köhler warnte, dass bei einer Bürgschaft jeder Konzern Unterstützung beanspruchen könne. Der Eisenacher Opel-Betriebsratschef Harald Lieske äußerte sich enttäuscht über das Ergebnis des Krisengipfels und sprach von einer «Hängepartie». Bundeskanzlerin Angele Merkel (CDU) hatte am Montagabend angekündigt, die Regierung werde bis Weihnachten über die erbetene Milliarden-Bürgschaft für Opel entscheiden. Dabei müsse aber unbedingt verhindert werden, dass Mittel aus Deutschland an GM in die USA fließen. Zudem müsse Opel weitere Informationen und Zahlen vorlegen. Nach Einschätzung von Experten sind neben den knapp 25.700 Arbeitsplätzen bei Opel mindestens 50.000 weitere Jobs bei Zulieferern bedroht.
Beratung mit Ländern
Der Bund und die vier Länder mit Opel-Standorten haben am Dienstag ihre Beratungen über mögliche Hilfen für den Autobauer begonnen. An dem Treffen im Bundesfinanzministerium in Berlin nehmen Vertreter der Landesregierungen aus Hessen, Nordrhein- Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen teil. Bei den Beratungen geht es auch um die Verteilung des eventuellen Bürgschaftsrisikos zwischen Bund und Ländern. Bei Opel hat vier Standorte in Rüsselsheim (Hessen), Bochum (NRW), Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) und Eisenach (Thüringen).
Loslösung keine Option
Nach Ansicht von Opel-Chef Hans Demant ist es keine Option, den deutschen Autobauer aus dem angeschlagenen US- Mutterkonzern General Motors (GM) herauszulösen. Man sei bald 80 Jahre Teil des Konzerns, da seien Strukturen gewachsen, sagte Demant am Dienstag dem Rundfunksender Bayern2. So befindet sich in Rüsselsheim das zweitgrößte Entwicklungszentrum von GM mit weltweiter Bedeutung. Allein die Einkünfte aus den 1,6 Millionen verkauften Autos in Europa würden nicht ausreichen, «um die Gesamtentwicklung, die wir machen müssen, zu bezahlen». «Das heißt, es macht keinen Sinn, ein Unternehmen in unserer Größe völlig selbstständig zu machen», resümierte Demant. «Als Teil eines großen Konzerns zu agieren, hat eine ganze Menge Vorteile, sowohl für Opel als auch für unsere Mitarbeiter.» (dpa)