Am 28. Juli 1907 besucht André Gide das Fest seines Freundes Eugène Rouart. Man amüsiert sich, der Wein fließt in Strömen. Gide entdeckt den jungen Ferdinand Pouzac und ist von dessen erotischer Ausstrahlung fasziniert.Er beobachtet ihn und sucht seine Nähe, bis Ferdinand ihn schließlich spät in der Nacht nach Hause begleitet. Dort geben sie sich der Liebe hin. Ferdinand, der bei der Liebe gurrt wie eine Taube, trägt fortan den Spitznamen »die Ringeltaube«.
André Gide hält dieses Erlebnis sofort in einer Erzählung fest. Doch er wird sie nie publizieren. War sie ihm zu persönlich? Eine sensationelle späte Entdeckung von Gides Tochter – nun erstmals veröffentlicht.
André Gide wurde 1869 in Paris geboren. Schon früh hatte er Kontakte zur französischen Avantgarde und schloß Freundschaft mit Mallarmé, Claudel, Valéry und Oscar Wilde. 1895 heiratete er seine Cousine Madeleine Rondeaux. Die Ehe war aufgrund seiner homosexuellen Neigungen schwierig. 1909 begründete er als Herausgeber die «Nouvelle Revue Française» mit und war jahrzehntelang einer der wichtigsten Literaten seiner Zeit. Für sein literarisches Schaffen erhielt er 1947 den Nobelpreis. Gide starb 1951 in Paris.
Zu seinen autobiographischen Schriften gehören u.a. «Tagebuch» (1889-1949) sowie «Stirb und werde» (1926). Seine bekanntesten erzählenden Werke sind «Die Früchte der Erde» (1897), «Der Immoralist» (1902), «Die Rückkehr des verlorenen Sohnes» (1907), «Die enge Pforte» (1909), «Die Verliese des Vatikans» (1914), «Die Pastoralsymphonie» (1919), «Die Falschmünzer» (1925) und «Die Schule der Frauen» (1929). Bei DVA sind die «Gesammelten Werke» (1989-2000) erschienen. (Verlag)