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Nagib Machfus
Das Hausboot am Nil
Foto: qantara.de
Herr Anis sitzt am liebsten mit Freunden und einer Haschischpfeife auf seinem Kairoer Hausboot. Er gerät dadurch in Konflikt mit seinen öffentlichen Pflichten. Nagib Machfus' Roman über das Ägypten der sechziger Jahre.
 
Nagib Machfus ist der größte ägyptische Autor der Gegenwart und vielleicht der berühmteste lebende Schriftsteller der arabischen Welt. 1988 erhielt der heute 93-jährige den Literaturnobelpreis, seine Kairoer Trilogie, die er 1952, also noch vor der Revolution abgeschlossen hatte, wird mit Thomas Manns Buddenbrooks verglichen. Machfus' Erzählungen und Romane, die von den Dreißigern bis in die neunziger Jahre entstanden sind, gelten als umfassende Chronik der arabischen Welt. Sie reflektieren die gesellschaftlichen Turbulenzen des 20. Jahrhunderts – Revolutionen, Kriege, Terrorismus und den einschneidenden Modernisierungsprozess, dem die traditionelle Gesellschaft Ägyptens in diesen Dekaden unterworfen war. Machfus erlebte mit, wie seine Geburtsstadt Kairo, in der der Autor zeitlebens zu Hause war, von 750.000 Einwohnern auf eine Stadt von mindestens 15 Millionen Menschen anwuchs.

«Das Hausboot am Nil» ist ein kleinerer Roman aus dem Jahr 1966, den die Bibliothek Suhrkamp jetzt wieder auflegt. Hier geht es um die Themen, die die postrevolutionäre ägyptische Gesellschaft bewegten: Sozialismus, Revolution, Befreiungskampf und den Heroismus in der arabischen Welt. Der Protagonist, Anis Zaki, wird aufgefordert, künftig eine klarere Trennung zwischen seiner Tätigkeit als Büroangestellter und seiner kleinen Haschischbude einzuhalten. Auf seinem Hausboot, auf der sich Anis mit seinen Freunden dem Konsum der Haschischpfeife überlässt, findet er eine Zuflucht vor den Zwängen der Außenwelt. Privates Glück und öffentliche Verpflichtungen geraten dabei in einen Konflikt. Ein Ausflug an Land hat katastrophale Konsequenzen.

Machfus, der Ägypten nur selten verließ, verarbeitet dennoch die literarischen Tendenzen der sechziger Jahre. Sartre, Camus und Beckett kommen in «Das Hausboot am Nil» namentlich vor. Die Gespräche dieses sehr dialoglastigen Romans, von dem vermutet wird, dass er zunächst als Theaterstück geplant war, schwanken zwischen einer kaum mehr als glaubwürdig empfundenen «littérature engageé» im Sinne Sartres und der Dekadenz einer desillusionierten «l'art pour l'art». (nz)

Foto: Verlag
Nagib Machfus:
Das Hausboot am Nil,
Bibliothek Surhkamp 2004,
156 Seiten,
12,80 Euro

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