Roland Barthes Das Rauschen der Sprache  | | | Foto: Verlag |
|
Soll man die Rechtschreibung vereinfachen? Nein, man soll einfach dem Staat die Kontrolle über sie entziehen. Die Aufsätze des Semiologen Roland Barthes sind auch nach Jahrzehnten noch immer brandaktuell.
Vor nicht weniger als dreißig Jahren hat der französische Semiotiker Roland Barthes einen Aufsatz über die französische Rechtschreibung verfasst, den man sich in diesen Tagen auch hierzulande zu Herzen nehmen könnte. Die Rechtschreibung, sowie sie durch ein Gesetz vorgeschrieben werde, sei mit dem Menschenverstand allein nicht nachvollziehbar, denn warum schreibt man «Caen, Paon, Lampe, Vent, Rang», wenn es doch in allen Fällen um denselben gesprochenen Laut geht.Barthes stellt daher die Vermutung in den Raum: «Die Rechtschreibung könnte ein Witz sein.!» Kein harmloser Witz allerdings, geht es doch bei orthographischen Regularien, die verbindlich auf der Unterscheidung zwischen richtig und falsch beharren, um Machtausübung und um die Ausgrenzung derjenigen, die die Regeln nicht beherrschen oder mutwillig gegen sie verstoßen. Soll man also die Rechtschreibung reformieren im Sinne einer größeren Einfachheit? Nein, sagt Barthes, man soll die Aufsicht über das Schreiben einfach dem Staatsapparat entziehen, man soll «laxistisch» werden und aufhören «unter Berufung auf die Rechtschreibung auszugrenzen.» Der Aufsatz «Gewähren wir die Freiheit des Schriftzugs» ist nur einer von über vierzig überwiegend kurzen Texten des 1980 verstorbenen großen französischen Intellektuellen. Und auch, wenn er über moderne Mythologie, den Tod des Autors, Geschichtsschreibung und Rhetorik reflektiert, zeigt sich, von welcher ungebrochenen Aktualität seine Analysen sind, auch wenn sie zumeist von der klassischen französischen Literatur ausgehen. (nz)
 | | | Foto: Verlag |
|
Roland Barthes: Das Rauschen der Sprache, edition suhrkamp 2006, 406 Seiten, 16 Euro
|