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David Quammen
Das Lächeln des Tigers
Foto: Verlag
Menschenfressende Raubtiere hatten seit jeher einen großen Einfluss auf die Kultur aller Völker. Im Jahr 2150 werden sie wohl nur noch im Zoo zu bewundern sein.
 
Das Verhältnis des Menschen zu seinem natürlichen Feind, dem menschenfressenden Raubtier, hat von jeher zwei grundverschiedene Aspekte. Zum einen den der realen Begegnung zwischen Mensch und Tier: Diese findet als Angelegenheit von Leben und Tod in der freien Natur statt oder als ihre Verfallsform, in der sich wilde Tiere im Zoo oder Safaripark gefahrlos beobachten lassen. Zum anderen spielt das wilde Tier eine entscheidende Rolle für die menschliche Kultur, als Symbol, sprachliche Metapher und Wappenemblem.

So wird das Wort «Löwe» über lange Zeit geradezu gleichbedeutend mit königlicher Stärke gebraucht, König Richard I. führte nicht umsonst den Beinamen Löwenherz. Die ersten Könige Indiens saßen auf Thron, den man sinhasana, Löwensitz, nannte. In der Figur des Narasimha kannten die Inder als mythische Figur einen löwenköpfigen Gottmenschen. Andere menschenfressende Raubtieren, wie Tiger, Bären und Krokodile, erfüllten eine ähnliche kulturelle Funktion.

Der 1948 geborene Wissenschaftsjournalist David Quammen hat sich in seinem Buch ausführlich diesen «letzten Menschenfressern der Welt» gewidmet, und wenn er über Raubkatzen und Großreptilien berichtet, dann tut er das mit einem melancholischen Unterton. Denn bereits 2150 werden diese Tiere nach Ansicht des Autors zumindest in freier Wildbahn vollständig ausgestorben sein. (nz)


Foto: Verlag
David Quammen:
Das Lächeln des Tigers,
Von den letzten menschenfressenden
Raubtieren der Welt,
Claassen 2004,
576 Seiten,
23 Euro

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