Nick Hornby My Favourite Year  | | | Foto: Verlag |
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Echte Fans müssen sehr leidensfähig sein oder schon fast masochistisch veranlagt. Jedenfalls halten sie ihren Vereinen auch unabhängig vom Erfolg die Stange. Ein Fußballreader von Nick Hornby.
Pünktlich zum WM-Jahr betritt Nick Hornby wieder die literarische Fußball-Bühne. Der Urvater der literarischen Fankultur seit seinem Klassiker «Fever Pitch» erzählt diesmal aber nicht nur selbst die Leiden und Freuden von Anhängern diverser Fußballmannschaften, sondern lässt auch Kollegen an den Ball.Dabei hat der Titel «My Favourite Year» zumindest für deutsche Leser eine doppelte Bedeutung. Während bei den «Krauts» fast alle der WM entgegen fiebern, schildern auf 216 Seiten zehn Hornby-Erben das eindruckvollste Jahr mit ihrem Lieblingsverein.
Heiter aber freudlos Dabei wird sehr schnell klar, dass Fans absolut leidensfähig und fast schon masochistisch veranlagt sein müssen. Denn zumeist ist das «Favourite Year» nicht mit Erfolgen oder Aufstiegen verbunden. Nein, die Autoren leiden mit ihren Clubs und freuen sich, wenn der Abstieg in eine der niedrigeren Klassen des englischen Fußballs verhindert wurde.«Existenz liegt nicht im Erfolg, sondern im Misserfolg», beginnt Harry Pearson seine Geschichte über den FC Middlesborough mit dem Titel «Eine heitere, aber freudlose Saison». Auf die Spitze treibt es Olly Wicken in «Größenwahn». Euphorisch berichtet er über die Saison 1974/75 des FC Watford, bei der er als Balljunge am Spielfeldrand fungierte.
Von Sugar Baby Love bis Dreamer Anhand der damals aktuellen Topcharts in den britischen Musikläden zeichnet Wicken den Höhenflug Watfords auf, beginnend mit «Sugar Baby Love» von «The Rubbets». Über «Kung Fu Fighting» von Carl Douglas und «Gonna Make You A Star» von David Essex verschmilzt der Balljunge mit seinen Heroen in kurzen Hosen und feiert einen Sieg nach dem anderen.Erst Supertramps «Dreamer» beendet dann die Visionen Wickens'. Zwar haben alle beschriebenen Siege tatsächlich stattgefunden, doch in den Auswärtsbegegnungen, in denen der Balljunge nicht zugegen war, konnte nur einmal in dieser Saison gejubelt werden. Watford stieg letztlich in die dritte Division ab.
Karriereende mit zehn Jahren Erst später – unter der Präsidentschaft von Elton John – erreichte der Verein sogar einen Uefa-Cup-Platz. Doch für Wicken bedeutete das Herumrennen als Balljunge in zerschlissenen Trainingsanzügen und das Umziehen in den Räumen des Platzwartes mehr. Mit «diesen Glanz habe ich nicht mehr erlebt», endet bezeichnender Weise die letzte Kurzgeschichte des Buches.«My Favorite Year» enthält neben Wickens «Größenwahn» noch weitere amüsante Kurzgeschichten, die den Leser emotional berühren – wenn er sich für Fußball interessiert. Denn nur der Fußballinteressierte wird wirklich nachvollziehen können, welchen Qualen die Anhänger ausgesetzt sind. Zudem sind einige Vorkenntnisse über den englischen Fußball hilfreich, da sich die Autoren zumeist in der Vereinswelt kleiner Mannschaften bewegen. Ebenso hilfreich ist es, selbst gegen den Ball getreten zu haben wie D.J. Taylor, der im Anhang symptomatisch für viele Autoren und Leser beschrieben wird und den Weg vieler Fans gegangen ist. «Nachdem er 43 Tore für seinen Verein Norwich in der Saison 1971/72 erzielt hatte, zog sich D.J. Taylor im Alter von zehn Jahren vom aktiven Fußball zurück.»
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Nick Hornby: My Favourite Year, Bombus Media 2005, 216 Seiten, 14.90 Euro
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