Inspiriert von den Fanmagazinen aus England,die seit den siebziger Jahren existieren, versuchen nun auch Fanzines wie das schon legendäre «Millerntor Roar» des FC St. Pauli, die Mönchengladbacher «Nordkurve», der «Löwenzahn» von 1860 München, «Der Schachtscheißer» vom FC Erzgebirge Aue, die «Lila Laune» von TeBe Berlin, der «Homer» des SV Lippstadt und viele andere den Blick auf das runde Leder von einem anderen Winkel aus zu betrachten.Volker Groll und Jörg Heinisch haben nun in ihrem Buch «Sitzschale Nr. 15 lebt» versucht, ein «Best of» der Fanzines zu sammeln. Die beiden Autoren, die selbst zu den Gründern der Fanzines «Erwin» von den Offenbacher Kickers und «Fan geht vor» von Eintracht Frankfurt gehören, haben es aber nicht bei der Auswahl belassen, sondern auch Einblicke in den Alltag der Redaktionen gewährt. Dort regiert – abseits vom Bundesliga-Kommerz – das Ehrenamt. Ohne den unentgeltlichen Einsatz würde es keine Fanzines geben. So aber können Goll und Heinisch überaus lesenswerte und zumeist humorvolle Geschichten und Geschichtchen auf 224 Seiten über und um den Fußball präsentieren.
So erfährt der Leser auch etwas über die Glamourwelt der Prominenten durch einen Bericht von zwei St. Pauli-Fans, die zufällig eine Einladung zur Premierenparty zum Fernsehfilm «Der König von St. Pauli» erhalten hatten. «Heinz Hoenig wird wohl immer vom Kameramann liegend gefilmt, weil der Mann so dermaßen klein ist, das ist unglaublich. So was darf doch keinen Zuhälter spielen, der wär' doch voll die Lachnummer auf dem Kiez», schreiben die beiden Fans.
Aber auch Einblicke in die verstrickte Welt der Fußball-Transfers bleiben dem Leser nicht verborgen. So hatte Profi Manni Binz Angst um sein Leben, als ihm von seinem Berater Klaus Gerster verboten wurde, einen Vertrag im italienischen Padua zu unterschreiben. Der Haken an der Sache: Gerster war in Deutschland, der Libero allein bei den Verhandlungen in Italien. «Klaus, die hacken mir hier die Eier ab», heißt es in dem stimmungsvollen Bericht über den ehemaligen Nationalspieler.
Doch nicht nur die humorvollen, sondern auch nachdenkliche Berichte machen das Buch zu einem Lesevergnügen. So schildert ein Fan die Trauer über den Selbstmord seines Lieblingsspielers Guido Erhard, ein anderer die Probleme der Fans, überall als Hooligan zu gelten.
Goll und Heinisch haben mit der «Best of»-Auswahl das gerade im Fußball häufig zitierte «glückliche Händchen» bewiesen und das Paperback zu einem lesenswerten Vergnügen gestaltet.