«Schmachtet man da nicht in glühender Hitze? Wird man nicht von der Menge zerquetscht? Macht es nicht große Mühe, sich zu erfrischen? Wird man im Regen nicht nass bis auf die Haut? Fühlt man sich nicht durch den Lärm, das Getöse und andere Unannehmlichkeiten belästigt? Doch wie mir scheint, kann man dies alles gut und tatsächlich frohgemut aushalten, wenn man an die packenden Schauspiele denkt, die man zu sehen bekommt.»Was der griechische Schriftsteller Epiktet hier um 50 vor Christus beschreibt, hat wenig von seiner Aktualität eingebüßt. Mit den packenden Schauspielen meint der Autor die olympischen Spiele der Antike, die vom Jahr 776 vor Christus an die Bürger der griechischen Welt in ihren Bann schlugen. Der Besuch der Spiele kam damals einer Wallfahrt gleich, denn sie wurden zu Ehren von Zeus, des obersten griechischen Gottes, abgehalten.
Die Ursprünge der Spiele liegen im Dunkeln. Glaubt man dem Dichter Pindar, gehen sie auf den «Supermann» der griechischen Antike, auf Herakles, zurück, der im Hain von Olympia eine Lichtung angelegt hat, um dort erstmals einen sportlichen Wettkampf zu veranstalten. Die Altertumsforscherin und Kuratorin des Londoner British Museum Judith Swaddling hat nun eine umfassende Untersuchung über die olympischen Spiele in der Antike vorgelegt, in der sie sich den historisch verbürgten Aspekten dieser Veranstaltung widmet: Das Buch enthält eine genaue Untersuchung des Sportgeländes in Olympia, Anmerkungen zum Wettbewerbsprogramm, Preisen, Regularien, Training und der medizinischen Betreuung der Athleten.
Anekdotenreich berichtet die Autorin vom Zuschauerverhalten, religiösen und profanen Feierlichkeiten, den politischen Aspekten der Veranstaltung und den Skandalen der antiken Sportgeschichte. Zwei abschließende Kapitel widmen sich den modernen olympischen Spielen, die der Baron de Coubertin im Jahr 1896 erstmalig wieder ins Leben rief. (nz)