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Klaus Theweleit Tor zur Welt  | Klaus Theweleit | | Foto: waswarlinks.de |
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Hätte Collina Hamann nicht den Weg versperrt, wäre Ronaldo niemals an den Ball gekommen. Mit Klaus Theweleits Erinnerungen und Analysen zum Thema Fußball kann man sich jetzt die Wartezeit bis zur EM verkürzen.
Die Bundesligasaison neigt sich dem Ende zu, doch steht mit der Europameisterschaft in Portugal bereits das nächste fußballerische Großereignis bevor. Die Zwischenzeit sollte Fußballbegeisterten die Möglichkeit geben, etwas zu tun, was sich bei laufendem Spiel, sei es im Stadion oder vor dem Fernseher, nicht anbietet: Lesen. Klaus Theweleit, Kulturwissenschaftler, Schriftsteller und Professor für Kunst und Theorie in Karlsruhe hat ein Buch über den Sport geschrieben, der nicht nur in Deutschland eine beispiellose gesellschaftliche Brücke schlägt. Das bei Kiepenheuer & Witsch erschienene «Tor zur Welt» beginnt mit persönlichen Erinnerungen Theweleits: als Fünfjähriger steht er auf einem Bauernhof bei Husum vor einem Scheunentor und muss sich von seinem älterem Bruder die Bälle um die Ohren schießen lassen. Am Wochenende das Verlesen der Ergebnisse im Radio – ein magischer Moment im Leben des Jungen. Von da an ist der Fußball zum Alltagsinventar des Heranwachsenden geworden und es beschäftigt den Autor, der ein immer intensiveres Verständnis des Spiels entwickelt, bis heute. Illustriert mit aus dem Fernsehen abfotografierten Spielsituationen macht sich Theweleit an eine erstaunlich detaillierte Analyse des Fußballspiels und geht im Einzelnen noch einmal verhängnisvolle Situationen durch, etwa von der letzten Weltmeisterschaft: Der Schiedsrichter Collina, der bei Hamanns Anspiel auf Ziege den Weg versperrt und Ronaldo den Weg zum eins zu null eröffnet, Francesco Totti, der dem südkoreanischen Torwart den Ball in die Arme spielt, worauf die Asiaten das Ausgleichstor erzielen und Italien nach Hause fahren muss. Auch wenn Theweleits Buch nicht das erste seiner Art ist: es ist ein lesenswerter Blick auf einen Sport, der von 22 Spielern auf dem Rasen und von Millionen Zuschauern im Kopf gespielt wird. Immer und immer wieder. (nz)
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Klaus Theweleit: Tor zur Welt, Kiepenheuer & Witsch 2004, 234 Seiten, 8,90 Euro
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