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Der Theatermacher vom Rhein
Potsdamer Hans-Otto-Theater
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Foto: dpa
Zeitgleich zur feierlichen Einweihung des neuen Potsdamer Theaters und damit des jüngsten Werkes Gottfried Böhms widmet sich der Jovis-Verlag in einem umfassenden Katalog dem beeindruckenden Œuvre des Architekten.
 
Von Andreas Barz

Am Ufer des Tiefen Sees, nahe der Glienicker Brücke und inmitten der Potsdamer Kulturlandschaft gelegen, öffnet sich die beeindrucktende Blütenskulptur des neuen Theaters. Und es sei gleich gesagt: Die jahrzehntelange Zwischennutzung in verschiedenen Provisorien fand ein gutes Ende.

Zunächst war der skulpturale Entwurf des Potsdamer Theaterbaus gar nicht für die brandenburgische Hauptstadt bestimmt. Er entstammt einer Entwurfsserie aus den 1990er Jahren und war ursprünglich für den Neubau der Luxemburger Philharmonie vorgesehen.

Der Archtikt der Bundesrepublik

Wallfahrtskirche Neviges
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Foto: Jovis-Verlag
Das Potsdamer Theater ist zugleich Böhms erster größerer Bau in Ostdeutschland. Sieht man von einigen Bauten in der westlichen Berliner Innenstadt einmal ab, gilt Böhm weitgehend als Architekt der alten Bundesrepublik. Seine Hauptwerke und spektakulärsten Bauten entstanden in der Zeit vor dem Mauerfall und trugen wesentlich zur Architektursprache Westdeutschlands bei. Mit seinen Betonmassiven des Rathauses in Bensberg und den Kirchen in Köln, Düsseldorf und Neviges, den Wohnbauten und Rathäusern hat er wie kein Zweiter das architektonische Gesicht der Bundesrepublik entscheidet mitgeprägt.

Wie schon beim Vater Dominikus Böhm bilden die sakralen Bauten den Schwerpunkt des architektonischen Schaffens. Während jedoch die Kirchenbauten des Vaters nicht selten einer strengen monumentalen Architektursprache folgen, sind die Bauten des Sohnes von einer famosen skulpturalen Expressivität.

Kirche als öffentlicher Ort

Fensterrose in der Wallfahrtskirche Neviges
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Foto: Andreas Barz
Die 1968 fertig gestellte Wallfahrtskirche Maria «Königin des Friedens» im rheinischen Velbert-Neviges macht durch ihre Auffaltung des Betons in exemplarischer Weise das Kirchenverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils sichtbar: An die Stelle der festen wehrhaften Kirche tritt nunmehr das Zelt als spiritueller und vor allem öffentlicher Ort der Pilger. Der Eindruck eines zentralen öffentlichen Platzes verdichtet sich im Inneren der Kirche noch einmal, hier ist der Hauptaltar einem weiten Marktplatz gleich im Zentrum positioniert. Wie die raumprägenden Fensterrosen gotischer Kathedralen symbolisiert auch Böhm Maria in Form einer kräftig orange leuchtenden Rose ab und erzeugt so ein faszinierendes Farbenspiel.

Angefangen hat alles vor sechs Jahrzehnten im Büro des Vaters und Kirchenbauers Dominikus Böhm. Aus dem Jahr 1946 stammt ein erster unrealisierter Entwurf eines Knabenkonviktes, der neben dem Vater auch seine Unterschrift trägt. Es verwundert nicht, dass Gottfried Böhm zunächst in die Spuren des Vaters tritt und diesem, bis zu dessen Tod 1955, zunächst bei der Realisierung verschiedener Kirchenbauten behilflich ist.

Im Schatten des Vaters

Doch bereits im Todesjahr des Vaters brilliert der junge Böhm mit einem ersten sehr introvertierten und nach drei Seiten geschlossenen Flachbau seines Wohnhauses in Köln-Weiß. Das Gebäude besticht durch seine vornehme und zurückhaltende Eleganz, die im Wesentlichen durch die Verwendung äußerst feingliedriger Stahlprofile und raumhoher Fensterfronten zum Rhein hin sowie zum allseitig geöffneten Atriumhof hervorgerufen wird.

Wie der wesentlich später errichtete Kanzler-Bungalow Sep Rufs im Garten des Palais Schaumburg steht Böhms Wohnhaus ganz in der Tradition der klassischen Moderne und des Barcelona-Pavillons Mies van der Rohes. Anders jedoch als Ruf nimmt die Öffentlichkeit den Kirchenbauer Böhm, der bis dahin nur in Fachkreisen bekannt war, erst sehr spät war. 1967 setzt er mit der Einweihung des expressionistischen Bensberger Rathauses einen gewaltigen Blickfang.

Einziger deutscher Pritzker-Preisträger

Mit seinen westdeutschen Betonskulpturen ist Böhm bereits in den 1960er Jahren aus dem Schatten des Vaters herausgetreten und wurde gerade auch deshalb als einziger deutscher Architekt mit dem Pritzker-Preis geehrt. Ob sich jedoch das Potsdamer Haus in die Reihe der äußerst qualitätsvollen öffentlichen Bauten wird einreihen lassen, darf leider bezweifelt werden.

Für alle diejenigen, die tiefer in das umfangreiche Werk Gottfried Böhms und damit in die westdeutsche Nachkriegsmoderne einsteigen wollen, sei der neue Bildband von Wolfgang Voigt schon wegen der spannungsreichen Architekturfotografien empfohlen. Wenngleich der durchaus prägende Einfluss des Vaters zugleich das Hauptmotiv des Buches ist und so ein wenig die Leistungen dieses sehr introvertierten Architekten reduziert.

Foto: PR
Wolfgang Voigt (Hrsg.):
Gottfried Böhm. Aus der Sammlung des DAM Deutsches Architekturmuseum Frankfurt/ Main.
Jovis Verlag, Berlin 2006.
49,80 Euro.

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