Vom Bauhaus zum Zuckerbäcker  |  Leipziger Sporthochschule | | Foto: PR |
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Aufbruch in eine neue Zeit: Die Architekturgeschichte der frühen DDR beginnt wie im Westen im Stil der klassischen Moderne. Der wegweisende Start findet jedoch schon kurz nach Staatsgründung ein abruptes Ende.
Von Andreas BarzWem sind sie nicht vertraut: die avantgardistischen Architekturentwürfe der jungen Bundesrepublik, die Aufbruch und Hoffnung, aber auch eine gewisse Zurückhaltung und Einfachheit nach der NS-Diktatur zum Ausdruck bringen? Insbesondere im Wohnungs- und Verwaltungsbau knüpft die Architektur Westdeutschlands nicht selten an Weimarer Traditionen an und gibt sich bis zum Beginn der Postmoderne weit gehend funktionalistisch und unheroisch. Auch im sowjetisch besetzten Ostdeutschland wird zunächst an Bau- und Städtebaukonzeptionen der Weimarer Republik angeknüpft.
Stadtlandschaft statt Stadt und Landschaft
 |  Leninplatz im brandenburgischen Rathenow | | Foto: PR |
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Hans Scharoun, Hermann Henselmann und Hubert Hoffmann entwickeln bereits 1945 erste Wiederaufbaupläne im Sinne einer sozialen und funktionalistischen Stadtstruktur. Für Berlin und Dresden planen die Städtebauer auf den Trümmern der Altstädte neue Geschäfts- und Wohnviertel mit Hochhäusern, Schnellstraßen und Industriearealen. Das Prinzip der Stadtlandschaft ist auch hier dominierend Entwurfsprinzip. In Berlin arbeiten Scharoun und Henselmann am Ordnungsprinzip der Wohnzelle - erste Entwürfe hierzu präsentierte Scharoun bereits 1942. Bis zur Spaltung Berlins arbeitete das so genannte Planungskollektiv unter Mitwirkung Scharouns an der Bandstadtplanung für die Hauptstadt. Beabsichtigt war, die gesamte Innenstadt durch ein gitterartiges Schnellbahnnetz zu erschließen, in deren Quadranten sich Industrie und Wohnzonen in lockerer Zellengliederung gruppieren.
Vorbild Wohnungsbau der 20er Ganz in diesem Sinn entstehen im stark zerstörten Arbeiterviertel Friedrichshain entlang der späteren Stalinallee die ersten Laubenganghäuser der «Wohnzelle Friedrichshain». Im brandenburgischen Rathenow entstehen Siedlungswohnbauten der «Neuen Stadt» ganz im Stil des sozialen Wohnungsbaus der zwanziger Jahre und unter der Aufsicht Otto Haeslers, der bereits in den Weimarer Jahren am Umbau der Stadt mitwirkte.Ein reges Planungs- und Baugeschehen ist jedoch nicht nur in den größeren Städten zu verzeichnen, auch in kleineren Städten und Gemeinden entwickelt sich eine eigene Moderne, die sich insbesondere im Schul- und Gesellschaftsbau manifestiert. In vielen Dörfern und Kleinstädten entstehen ländliche Kultur- und Gemeinschaftshäuser, Polikliniken und Wohnheime. Andreas Butter hat unter dem Titel «Neues Leben, neues Bauen» eine ausführliche Untersuchung der frühen DDR-Nachkriegsmoderne vorgelegt. Ein Baukatalog, ein umfangreiches biographisches Architektenverzeichnis sowie bislang unveröffentlichtes Bildmaterial machen den opulenten Band zu einem unverzichtbaren Nachschlagewerk.
Abruptes Ende
 |  Kulturhaus Trebus in Brandenburg | | Foto: PR |
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Doch mit den zaghaften Ansätzen einer DDR-Nachkriegsmoderne war es bereits zu Beginn der 1950er Jahre vorbei: Die starke Ausrichtung an der Kreml-Politik im Kalten Krieg und damit am stalinistischen Städtebau beendete das Moderneprojekt vorerst - einzig im Industriebau konnte eine gewisse Sachlichkeit bewahrt werden. In seinem Buch «Bauen für die Ewigkeit» widmet sich Birk Engmann dem Bauen in Leipzig in den fünfziger Jahren und somit einer Neuausrichtung des DDR-Städtebaus hin zu tradierten Stadtstrukturen und zu einer monumentaleren Formensprache. In den Bezirksstädten und Berlin entstanden repräsentative Wohnarchitekturen und Verwaltungsbauten im Stile der Nationalen Tradition.
Einfacher Grundriss hinter prächtiger Fassade Nicht die Funktion, sondern Schönheit und sozialistische Ästhetik sollten nunmehr die Form eines Gebäudes bestimmen. In Leipzig, der zentralen Messestadt, entstanden nach anfänglichem Protest die beinahe schon barocken Wohnbauten am Promenadenring und Roßplatz. Wie bereits in der Berliner Stalinallee verbergen sich hinter einer klassischen Fassade mit Ziervasen, Pilastern und Pyramidenpfeilern meist sehr funktionale und zweckmäßige Wohngrundrisse für «verdiente Arbeiter und kleinere Angestellten». Die Gebäude orientieren sich ungeachtet ihrer Dimension weit gehend am historischen Stadtgrundriss und beziehen bestehende Gebäude ein. So werden das alte Grassi-Museum und die Deutsche Bücherei sehr behutsam erweitert. Das im Krieg zerstörte Central-Theater sowie die Oper am Augustusplatz werden mit einer zurückhaltend klassizistischen Fassade wiederaufgebaut. Eine herausragende Bauaufgabe dieser Zeit bilden die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) sowie das Messegelände. 1952 begann der Bau des Sportforums mit den Institutsgebäuden sowie des Leipziger Zentralstadions entlang der Jahnallee. Vollendet wurde der Gebäudekomplex jedoch nie. Bezeichnend ist die Parallele zur Speerschen Planung eines Sportforums sowie zur Anlage des Olympiastadions in Berlin.
Bedrohte Ost-Moderne
 |  Roßplatz in Leipzig | | Foto: PR |
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Die gewaltige Werkzeugmaschinenhalle auf dem Leipziger Messegelände von 1925 wurde in mehreren Bauabschnitten zum sowjetischen Pavillon umgebaut. Ähnlich den Pavillonarchitekturen der Moskauer Allunionsausstellung entstand eine plastisch gegliederte Halle mit massivem Turmaufbau. Das Gebäude dominierte das Messegelände bis zur Schließung des Standortes in den frühen 90er Jahren. Erst nach Rückbau der Fassade im Jahr 2004 konnte mit dem Rückbau der stalinistischen Fassade die ursprüngliche und strenge Pfeilergliederung wieder zutage treten.Während die Monumentalbauten im Zuckerbäckerstil in den meisten Städten saniert und vermietet sind, ist die frühe DDR-Moderne immer noch gefährdet. Insbesondere die Verwaltungs- und Industriebauten wurden in den vergangenen Jahren abgebrochen oder stark verändert. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den frühen Zeugnissen der DDR-Architektur kommt da gerade recht.
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Andreas Butter: Neues Leben - neues Bauen. Die Moderne in der Architektur der SBZ/DDR 1945 bis 1951. Berlin: Schiler 2006. 822 Seiten, 114,80 Euro
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Birk Engmann: Bauen für die Ewigkeit. Monumental-Architektur des zwanzigsten Jahrhunderts und Städtebau in Leipzig in den frühen fünfziger Jahren. Beucha: Sax-Verlag 192 Seiten, 16,50 Euro
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