Preußens Meister und seine Bauten  |  Schinkels Molkenhaus im brandenburgischen Bärwinkel | | Foto: dpa |
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Pünktlich zum Schinkeljahr legt die TU Berlin einen handlichen Architekturführer zum berühmtesten preußischen Baumeister vor. Das Buch führt zu allen noch erhaltenen Bauten des preußischen Baumeisters im In- und Ausland.
Von Andreas BarzUnzählige Aufsätze sind über Preußens Starbaumeister in den letzten Jahrzehnten verfasst worden, so dass es Neuerscheinungen zumeist schwer haben, ein Publikum zu finden. Der zweibändige Führer zu Schinkels Bauten ist dennoch etwas Besonderes: Nicht dass es neue und sensationelle Erkenntnisse in der Rezeptionsgeschichte des Baumeisters zu berichten gäbe, die beiden Bände bestechen vor allem durch Übersichtlichkeit, Vollständigkeit und durch ihr handliches Taschenbuchformat. Widmet sich der erste Band zunächst dem unmittelbaren Wirkungskreis des Architekten der preußischen Hauptstadt Berlin sowie der Residenz Potsdam und stellt die weit gehend bekannten Bauten vor, zeigt der zweite Band uns den zumeist unbekannten Schinkel und führt zu Bauten in Brandenburg, Polen, West- und Süddeutschland. Selbst bis ins weit entfernte russische Sankt Petersburg reichen die Spuren des Baumeisters, da hier Zar Nikolaus I. Schinkel 1829 mit dem Bau einer Kapelle in Peterhof an der Ostsee beauftragte.
Nutzung der Bauakademie ungeklärt
 |  Fassadenattrappe der Bauakademie | | Foto: dpa |
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In der Nähe des Werderschen Marktes in Berlin gleich neben der ebenfalls von ihm 1830 errichteten Friedrichwerderschen Kirche schuf Schinkel 1836 seinen wohl spektakulärsten und fortschrittlichsten Bau: Der Rote Backsteinwürfel der Bauakademie setzte einen städtebaulichen Markstein und wurde nach seiner Fertigstellung Arbeits- und Lebensort des Baumeisters. Hier richtete er sein Atelier und seine Wohnung ein, und nach Schinkels Tod wurde hier das Schinkelmuseum untergebracht.Seit Jahren liebäugelt die Fachwelt mit dem Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg teilzerstörten und später beseitigten Bauwerkes. Eigens zu diesem Zweck ist auf dem Grundriss des Bauwerkes, das den 2. Weltkrieg leidlich überstanden hatte, wiederaufgebaut werden sollte und in den 1960er Jahren dem Neubau des DDR-Außenministeriums weichen musste, eine Kopie aus Stahlgerüsten und Leinwand entstanden. Der Wiederaufbau steht aus Kostengründen bis heute infrage – es fehlt aber nicht nur am nötigen Geld, auch eine zündende Nutzungsidee ist für das Gebäude, das einmal das Initial des industriellen Bauens war, noch nicht gefunden.
 |  Schinkels Schloss Neuhardenberg bei Berlin | | Foto: dpa |
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Während Berlin den Verlust der Bauakademie beklagt, sind in den westpolnischen Woiwodschaften weit über zwanzig Kirchen, Schlösser, Gymnasien, Denkmäler und Staatsbauten zu bewundern. Wie eine Trutzburg dominiert die Dreiflügelanlage des Rathauses von Kolberg (Kolobrzeg) das Stadtbild der Ostseestadt und wird bis heute unverändert als Rathaus genutzt. Aber nicht allen Bauwerken ist ihre ursprüngliche Nutzung vergönnt, vor allem die Kirchen werden heute weit gehend nicht mehr zu sakralen Zwecken genutzt. So werden die ehemalige evangelische Kirche in der Thorner Neustadt als Diskothek, die Kirche von Wielbark (Willenberg) als Magazin oder die Kirche in Dobre Miasto (Guttstadt) als Bibliothek genutzt. Die Schlösser in Owinska (Owinsk) und Kamieniec Zabkowicki (Kamenz) bedürfen noch einer umfangreichen Erneuerung - letzteres wird Dank einer privaten Initiative derzeit zum Schlosshotel umgebaut.Sämtliche Bauten und Denkmäler werden ausführlich beschrieben und durch Bilder, Architekturzeichnungen und jeweils eine kleine Lageskizze ergänzt. Ein idealer Architekturführer also, der auf keiner künftigen Schinkelreise fehlen sollte.
 | | | Foto: Verlag |
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Andreas Bernhard Karl-Friedrich Schinkel: ein Führer zu seinen Bauten. 2 Bände. München, Berlin: 2006 zus. 350 Seiten, 29,90 Euro (auch einzeln beziehbar)
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