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Im Osten viel Neues
Modell einer geplanten Ausstellungshalle
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Foto: Verlag
Weite Teile des Berliner Zentrums wurden erst Jahrzehnte nach dem Krieg ohne Not abgebrochen - im Osten genauso wie im Westen. Ein Bildband erinnert an die zerstörte Stadt nach dem Krieg, deren Wiederaufbau und die bedrohte Ost-Moderne.
 
Von Andreas Barz

Als 1877 der erste Band der Buchreihe «Berlin und seine Bauten» erschien, dachte wohl niemand daran, dass die Reihe 130 Jahre später immer noch nicht abgeschlossen ist. Während die jüngeren Ausgaben nunmehr auch die Architektur des Berliner Ostens thematisieren, blieb in den Bänden der 70er- und 80er-Jahre das Baugeschehen in der DDR-Hauptstadt weit gehend unberücksichtigt. Unter ähnlichem Titel veröffentlicht die Berlinische Galerie nun eine fotographische Baugeschichte und widmet sich in sechs thematischen Abschnitten ausschließlich dem Ost-Berliner Städtebau.

Mit Unterstützung der Getty Foundation sichteten die Wissenschaftler Andreas Butter und Benedikt Goebel den mehr als 50.000 Bilddokumente umfassenden Bestand des ehemaligen Bildarchivs des Ost-Berliner Städtebaumagistrats und förderten Erstaunliches zutage. Hermann Henselmann hatte in seiner Eigenschaft als Chefarchitekt der DDR-Hauptstadt das Bildarchiv 1952 begründet, die letzten Eintragungen erfolgten 1990. Die fotografischen Arbeiten lieferte vor allem Gisela Dutschmann, die über 37 Jahre hinweg das Baugeschehen Ost-Berlins dokumentierte. Eine herausgehobene Stellung kommt dieser Sammlung insbesondere aufgrund der stadträumlichen Funktion der Bildaufnahme zu. Nicht die Erfassung des Einzelbauwerkes, sondern die Darstellung städtebaulicher Zusammenhänge stand im Vordergrund der Arbeiten, die nach der Wende zunächst im Keller der Senatsverwaltung verschwanden.

Wiederaufbau wäre möglich gewesen

Kinderheim in Niederschöneweide
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Foto: Verlag
Der Katalog zeigt die Entwicklung des Baugeschehens von ersten Nachkriegsprovisorien und Anknüpfungen an den Baustil der Weimarer Republik, über das an Moskau orientierte Bauen im Stil der Nationalen Tradition, die in den 60er-Jahren folgende Industrialisierung und Formalisierung der Architektur bis hin zu der in den frühen 80er-Jahren beginnenden Kritischen Rekonstruktion. Die Aufnahmen, von denen viele erstmals veröffentlicht werden, können jedoch nur einen geringen Teil des Bildarchivs zeigen. Eine digitale Datenbank im Internet ist in Vorbereitung.

Beeindruckend sind insbesondere die Aufnahmen der zerstörten Stadt: Die Bilder zeigen beispielsweise, dass die Komische Oper unweit des S-Bahnhofes Friedrichstraße, das Kaufhaus Tietz an der Leipziger Straße oder die westliche Bebauung des Alexanderplatzes problemlos wiederaufzubauen gewesen wären. Die Fischerstraße in Mitte und die Fruchtstraße (heute Straße der Pariser Kommune) in Friedrichshain waren sogar gänzlich erhalten und wurden bereits kurz nach dem Krieg provisorisch wiederhergerichtet. Wie im Westen auch verschwanden viele Bauwerke erst in den in den 50er- und 60er-Jahren. Die Ideale einer autogerechten und funktionsgetrennten Stadt sowie eine tief greifende Ablehnung gründerzeitlicher Stadtstrukturen, veranlassten die sozialistischen Städtebauer wie ihre Kollegen im Westen auch zu einer weit gehenden Zerstörung des historischen Zentrums.

Gefährdete Nachkriegsmoderne

Zerstörtes Kaufhaus Tietz am Alexanderplatz
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Foto: Verlag
Zeigte der Städtebau der 50er-Jahre insbesondere nach dem Erlass der «16 Grundsätze zum Städtebau» noch eine gewisse Hinwendung zu nationalen Stilformen sowie zu traditionellen Blockrandstrukturen, so radikal und einschneidend waren die Umbrüche in den folgenden zwei Jahrzehnten.

Inzwischen ist jedoch auch die sozialistische Nachkriegsmoderne vielfach gefährdet, und wichtige Bauzeugnisse wie das Ahornblatt, Außenministerium und Palast der Republik sind (fast) verschwunden. In ähnlicher Radikalität, in der die Nachkriegsmoderne dem gründerzeitlichen Städtebau den Kampf ansagte, wird heute das bauhistorische Erbe der 50er- und 60er-Jahre preisgegeben. Jedes Jahr verschwinden in Ost und West nicht wenige Bauten dieser Epoche oder werden wie jüngst das ehemalige Zentrum-Warenhaus am Alexanderplatz weit gehend überformt und dem Zeitgeist angepasst.

Erinnerung an zerstörtes Material

Die Aufnahmen sind daher für die Bauforschung von unschätzbaren Wert, zumal sie nicht nur gebaute Architektur, sondern auch umfangreich Planungen, Architekturmodelle und Wettbewerbsskizzen dokumentieren, die ebenfalls zu einem großen Teil nicht mehr erhalten sind.

Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft die Bilder durch eine umfangreiche textliche Baugeschichte ihre Entsprechung finden, vielleicht im Rahmen der Reihe «Berlin und seine Bauten».

Foto: Verlag
Eva-Maria Barkhofen:
Ost-Berlin und seine Bauten.
Wasmuth: Tübingen/Berlin 2006
196 Seiten, 24,80 Euro


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