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Die Metropolis an der Breslauer Alten Oder
Die Breslauer Jahrhunderthalle
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Foto: Andreas Barz
Ein opulent gestalteter Katalog erinnert an die Eröffnung der Breslauer Jahrhunderthalle vor rund 90 Jahren. Der Bau ist ein Meilenstein der frühen Moderne, deren Zentrum einst die schlesische Metropole war.
 
Von Andreas Barz

Mit einer umfangreichen Monographie feiert der Verlag Oldenbourg die Eröffnung der Jahrhunderthalle in Breslau vor gut 90 Jahren. Wie eine Kulisse zu Fritz Langs «Metropolis» stemmt sich das 41 Meter hohe Kuppelbauwerk an der Alten Oder in die Höhe und beeindruckt noch heute. Als die Halle im Mai 1913 im Scheitniger Park unweit der Breslauer Altstadt eingeweiht wurde, war sie aufgrund ihrer baulichen Ausmaße das größte Ausstellungsbauwerk weltweit.

Max Berg, damals Breslauer Stadtbaurat, errichtete den grandiosen Stahlbetonbau, der wie ein Wunder den Krieg unversehrt überstand und unlängst von der polnischen Denkmalpflege in den Rang eines Denkmals von Nationaler Bedeutung gehoben wurde. Die Eintragung in die Unesco-Welterbeliste ist geplant.

Das Gebäude wird bis heute für Messe, Sportturniere und Musikveranstaltungen genutzt. 1964 feierte Marlene Dietrich in einem legendären Konzert einen triumphalen Erfolg, 1997 zelebrierte Johannes Paul II. hier den Eucharistischen Kongress, und bis zu deren Wiedereröffnung in diesem Jahr ist die Jahrhunderthalle Spielstätte der Breslauer Oper.

Ein Bauhistorischer Meilenstein

Ledigenwohnheim von Hans Scharoun, 1929
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Foto: Andreas Barz
Die ursprünglich dominierende stadträumliche Situation ist zwar vor allem durch den jahrzehntelangen Wildbewuchs verloren gegangen. Doch das Gebäude beeindruckt nicht nur aufgrund baulicher Ausmaße, sondern ist vor allem im Hinblick auf Konstruktion und Materialität ein bauhistorischer Meilenstein. In Anlehnung an Bergs Hallenbauwerk entstanden später ähnlich gewaltige Spannbetonkonstruktionen in Leipzig, Orvieto und Orly.

In Anlehnung an den traditionellen Kirchenbau ist die Halle nach Osten ausgerichtet, ihren Grundriss bildet ein symmetrischer Vierpass, bestehend aus einem inneren Kreis mit vier Bögen an den Seiten. Der Durchmesser des Kuppelraums beträgt immerhin 65 Meter, die Länge des Innenraums 95 Meter. Ursprünglich plante Berg, zusammen mit Oskar Kokoschka die Halle auszumalen und den Kuppelraum mit farbigen Gläsern auszuschmücken, doch aus Geldmangel wurde der Plan fallengelassen und die Hallenkonstruktion in Sichtbeton belassen.

Ernennung zum Welterbe geplant

Kindergarten von Le Corbusier, 1948
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Foto: Andreas Barz
Die abseitige Lage inmitten der ausgedehnten Scheitniger Parklandschaft rettete das Gebäude vor Zerstörungen der Wehrmacht, die noch in den letzten Kriegswochen das bis dahin unzerstörte Breslau zur Festungsstadt deklarierte und so das baukulturelle Erbe der Stadt weit gehend dem Untergang preisgab.

Viele Bereiche der Innenstadt und der Dominsel sind mittlerweile wiederhergestellt. Auch die Jahrhunderthalle soll wie die angrenzende Mustersiedlung der «Wohnungs- und Werkraumausstellung» (WuWa), an der sich unter anderen Hans Scharoun und Adolf Rading beteiligten, umfangreich saniert werden.

Neben dem Breslauer Wirken Max Bergs und der Werkbundausstellung widmet sich der opulente Band auch dem Schaffen Hans Poelzigs, der neben Berg die Architektur des Geländes bestimmt. Auch Poelzigs Ausstellungsbauten sowie seine die Halle umfassende Pergola sind erhalten geblieben, warten jedoch wie der 1948 errichtete Kindergarten von Le Corbusier auf eine Erneuerung. Bleibt zu hoffen, dass die Eintragung des gesamten Ensembles zum Weltkulturerbe hilft, die dringend benötigten Sanierungsmittel zu beschaffen und damit ein Gesamtkunstwerk der frühen klassischen europäischen Moderne langfristig gesichert ist.

Foto: Verlag
Jerzy Ilkosz
Die Jahrhunderthalle und das Ausstellungsgelände in Breslau - das Werk Max Bergs.
Oldenbourg: München
338 Seiten, 39,80 Euro


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