Selten genug, dass ein männlicher Schriftsteller unter einem Frauennamen veröffentlicht, und wohl noch seltener, dass er den Namen seiner eigenen Ehefrau benutzt. Bevor sich dieses Geheimnis allerdings lüftete, bevor Yasmina Khadra es sogar wagen konnte, Fotos von sich in Umlauf zu bringen – war das Inkognito für den algerischen Autor überlebensnotwendig.Tatsächlich heißt Yasmina Khadra Mohammed Moulessehoul, und er durfte sich aus der Deckung wagen, nachdem er zu Beginn des Jahres 2001 aus Algerien nach Frankreich emigriert war.
Zuvor hatte er als ranghoher Offizier in der algerischen Armee gedient und in dieser Rolle aus nächster Nähe miterlebt, was zugleich das Thema seines schriftstellerischen Alter Egos war: den blutigen und von der Welt vergessenen Bürgerkrieg in Algerien, das sich seit 1992 de facto in einem permanenten Ausnahmezustand befindet.
Khadra hat sich für die publikumswirksame Form des Kriminalromans entschieden, durch den er insbesondere in Frankreich eine breite Leserschaft für die Probleme seines zutiefst zerrissenen Landes interessieren konnte. Sein Protagonist ist der hart gesottene und zugleich stets ein wenig melancholische Kommissar Brahim Llob, der in Algier auf Verbrecherjagd geht.
In «Nacht über Algier» ist es ein freigelassener Serienmörder, der die Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Als bei einem Anschlag auf den mächtigen Haj Thobane dessen Chauffeur ums Leben kommt, fällt der Verdacht jedoch zunächst ausgerechnet auf Llobs Assistent Lino. Dieser hat kein Alibi für die fragliche Zeit und noch dazu ein Motiv. Es versteht sich von selbst, dass Llob den Fall persönlich nimmt und seine Aufklärung als eine Frage der Ehre begreift. (nz)