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Alexander Böhnke, Rembert Hüser, Georg Stanitzek (Hg.)
Das Buch zum Vorspann
Foto: Verlag
«The title is a shot», sagt Jean Luc Godard und verweist damit auf die besondere Funktion des Filmvorspanns. Er dient zur Einstimmung des Zuschauers, als Ausweis der Produzenten und ist nicht zuletzt ein Film im Film.
 
Der Filmvorspann bündelt verschiedene, teilweise heterogene Funktionen: Er dokumentiert die Filmproduktion, adressiert den Zuschauer, führt in die Diegese ein, thematisiert die Vorführsituation, ist Anfangsmarkierung, Einstimmung, Nachweis von Arbeit, Ort der Signatur, Werbung, Film im Film. Aufgrund seiner reflexiven Verfasstheit im Spannungsverhältnis von Produktion und Fiktion liefert der Vorspann mittels unterschiedlicher Kondensationstechniken eine zugespitzte Lektüre des folgenden Films, die dessen Rezeption steuert. Diese alternative Konzeption des Filmischen macht ihn besonders interessant.

Folgt man André Gardies, gehört zur enunziativen Struktur des Vorspanns ein metadiskursives Moment, das den Vorspann als Äußerungsakt in ein Spannungsverhältnis zu dem Film setzt, der auf ihn folgt. Im gleichen Maße wie der Vorspann über das Gemachte eines Films spricht, muss er mit einem Film kollidieren, der den Bezug auf sich selbst (seine Produktionsbedingungen oder seine Medialität) auszublenden bestrebt ist. Vorspann/Abspann, titles, main title, closing titles, title sequence, credits, générique: den verschiedenen Bezeichnungen entsprechen unterschiedliche Hinsichten auf den Gegenstand.

Die deutsche Version Vor- bzw. Abspann betont die Positionierung dieser Form im Film, ihre Rahmenfunktion, ihre Paratextualität. Ein Vorspann ist ein eigener Film – und auch wieder nicht. Générique hingegen verweist auf den Film unter dem Gesichtspunkt seiner Entstehung, seiner Produktion, auf die er sich ›dokumentierend‹ bezieht. Auch das englische credits bezieht sich mit der Unterscheidung von Person und Rolle bzw. Funktion auf ein Außen des Films.

Bezeichnet titles allgemein Schrift im Film – wie subtitles oder intertitles im besonderen –, so fokussiert dies ein häufig ausgegrenztes Ausdrucksmittel des Films. Eine Entgegenstellung von Schrift und filmischem Bild macht jedoch wenig Sinn. Die Schrifttafeln des Vorspanns sind genuin filmische Bilder: »the title is a shot« (Godard). In der Kombination von photographischem Bild, Graphik, Animation, Ton, Musik, gesprochener Sprache, dem Einsatz von Opticals bzw. digitaler Bildbearbeitung und Schrift erweist er sich als komplexe, oft experimentelle filmische Form. Nicht zuletzt bezeichnet title zudem einen Rechtsanspruch, ›Rechtstitel‹ – und auch diesen ökonomischen Aspekt beleuchten einzelne Beiträge des hier vorgelegten Bands.

Dieses Buch versammelt einerseits in Übersetzung zentrale, bis dato aber zu wenig bekannte Texte der internationalen filmwissenschaftlichen Diskussion. Es steuert andererseits eine Reihe originaler Beiträge bei, Vorspannlektüren, von denen zu hoffen ist, dass sie das künftige Studium dieser so komplexen und reichen Form auf eine Weise anregen werden, die den vielfältigen Möglichkeiten ihres Gegenstandes gerecht wird. (Verlag)


Foto: Verlag
Alexander Böhnke, Rembert Hüser, Georg Stanitzek (Hg.):
Das Buch zum Vorspann,
«The title is a shot»,
Vorwerk 8 2006,
184 Seiten,
19 Euro

 
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