Die Brüder Harvey und Bob Weinstein haben den amerikanischen Film gerettet und dann verraten. Als Chefs der Produktionsfirma Miramax haben sie der Stagnation, die die kalifornische Lichtspielproduktion nach dem vielbeweinten Tod des Autorenfilms der siebziger Jahre kennzeichnete, ein Ende gesetzt und vom Ende der achtziger Jahre an eine ganze Generation überaus kreativer und schließlich auch kommerziell erfolgreicher Regisseure herangezogen.Ein weiterer Name, der aus der Wiedergeburt des amerikanischen Independentfilms nicht wegzudenken, ist derjenige von Robert Redford, der durch die Installation des Sundance Filmfilmfestivals dafür gesorgt hat, dass aus dem Underground kommende Filme einem größeren Publikum vor Augen geführt wurden. Filme wie «Pulp Fiction», «Sex, Lies and Videotape», «Clerks» und «Reservoir Dogs» entstanden in diesem Umfeld, waren zu Beginn der Neunziger bahnbrechend und gelten heute bereits als Klassiker.
Der Journalist Peter Biskind hat mit seinem Buch «Sex, Lies & Pulp Fiction» das Portrait einer ganzen Filmära gezeichnet, und auch nicht die Augen verschlossen vor dem beginnenden Ausverkauf dieser noch jungen Kultur. Schließlich haben die Weinsteins ihr Studio, das Schauspielern und Regisseuren gerade deshalb so attraktiv erschien, weil es unabhängig war, mittlerweile an Disney verkauft.
Anekdotenreich erzählt Biskind von schwierigen Dreharbeiten, Drogenexzessen hinter den Kulissen und exzentrischen Regisseuren wie Steven Soderbergh oder Quentin Tarantino. Immer behält der Autor dabei aber die ökonomischen Mechanismen der größten Glücksfabrik der Welt im Blick. Biskind schreibt für «Vanity Fair» und arbeitete für die Filmmagazine «Premiere» und «American Film». Ebenfalls in deutscher Übersetzung liegt vor sein Buch über das amerikanische Kino der siebziger Jahre: «Easy Riders, Raging Bulls». (nz)