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Manuela Bialek und Karsten Weyershausen
Das Astrid Lindgren Lexikon
Astrid Lindgren
Foto: ddp
Was macht eigentlich Jan Ohlsson, der einst Michel aus Lönnerberga verkörperte, heute? Wie sieht Astrid Lindgrens Wohnung von innen aus? Ein neues Lexikon weiß fast alles über die schwedische Erfolgsautorin.
 
Von Aliki Nassoufis

Hätten Sie beim Trivial Pursuit mit dem vollen Namen Pippi Langstrumpfs, nämlich Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstocher Langstrumpf, glänzen können? Oder haben Sie schon mal gehört, dass man Krummeluspillen nehmen muss, wenn man nicht groß werden will?

Auf knapp 550 Seiten haben die Autoren Manuela Bialek und Karsten Weyershausen diese und alle möglichen anderen Fakten zusammengetragen, die es zu der schwedischen Autorin Astrid Lindgren gibt: Von den Inhaltsangaben aller Bücher, Filme und Kurzgeschichten über Kurzbiografien der wichtigsten Darsteller, Regisseure und Lindgren-Übersetzer bis hin zu einer Auflistung aller Astrid-Lindgren-Schulen in Deutschland. Das Buch lässt nicht einmal die «Zimmer frei»-Sendung vom 9. September 2001 aus. Damals moderierten Christine Westermann und Götz Alsmann als Pippi Langstrumpf und Karlsson vom Dach.

Interviews mit Weggefährten

Irreführend ist bei alledem der Untertitel des Lexikons: „Alles über die beliebteste Kinderbuchautorin der Welt“ steht da, doch der Titel wird dem Werk nicht gerecht. Vielmehr soll dieses einseitige Bild der vielseitigen Lindgren durch ein facettenreicheres ersetzt werden. Die Autorin, so erfährt man von Bialek und Weyershausen, schrieb auch Hörspiele, Theaterstücke und arbeitete fürs Fernsehen und als Übersetzerin. Außerdem hatte sie Fans von Hollywoodstar Uma Thurman bis Björn von Abba und engagierte sich für den Tierschutz.

Mit diesem Lexikon soll Astrid Lindgren also nicht nur als Erfolgsautorin, sondern auch als Privatmensch vorgestellt werden. Deswegen sind im Anhang Interviews mit Weggefährten wie dem Kinderbuchillustrator Rolf Rettich abgedruckt, der die Lindgren-Bücher mit seinen Zeichnungen versah, und den Verlegerinnen beim deutschen Oetinger Verlag.

Zunge verwelkt, wenn man sie nicht gebraucht

Fotos von Erwin Leu, der von 1993 bis 1994 auf Lindgrens Wunsch die letzte größere Dokumentation über die Autorin drehte, zeigen die Schwedin mit ihrer Tochter Karin und in ihrer Stockholmer Wohnung. Es ist zu erfahren, dass Lindgren ihre Texte in Steno schrieb und ganz ernst salutierte, wenn ihr auf der Elbe ein schwedisches Schiff entgegenkam. Was allerdings verborgen bleibt, ist das intimste Privatleben der Schriftstellerin. Ihr Ehemann Sture Lindgren wird im Vorwort nur kurz erwähnt, im eigentlichen Lexikon taucht er nicht wieder auf. Genauso ihr unehelich geborener und früh verstorbener Sohn Lars.

Doch trotz dieser kleinen inhaltlichen Lücken wird das Lexikon Lindgren Fans gefallen, denn so wie Lindgrens populärste Figur Pippi Langstrumpf verbinden auch Bialek und Weyershausen Lernen und Spaß. „Ich will euch nur sagen, dass es gefährlich ist, zu lange zu schweigen. Die Zunge verwelkt, wenn man sie nicht gebraucht“, sagt Lindgren. Und da sie diesem Credo folgend Unmengen von Geschichten zu erzählen wusste, gibt es für die Leser viel Unbekanntes zu entdecken.

So bunt wie ein Lindgren-Buch selbst

Neben Lindgrens Werken stehen dabei vor allem die an den Filmen beteiligten im Vordergrund: Die Ronja-Darstellerin Hanna Zetterberg zog als 24-Jährige ins schwedische Parlament ein und begann im Herbst 2000 ein Hochschulstudium. Joanna Liljendahl (Madita) sprang als Vorbereitung zu den Dreharbeiten selber mit einem Schirm vom Dach und steckte ihrer Schwester Erbsen in die Nase. Jan Ohlsson, der als Achtjähriger zum Michel aus Lönneberga wurde, machte später eine Ausbildung zum Betriebswirt, weil er nach den Michel-Auftritten keinen Erfolg als Schauspieler mehr hatte.

Da sicherlich nur die wenigsten Leser die Titel aller Lindgren-Werke oder die Namen der Regisseure und Darsteller kennen, ist «Das Astrid Lindgren Lexikon» trotz seines Titels kein klassisches Nachschlagewerk, sondern eher ein Lesebuch, das so bunt und skurril ist wie ein Lindgren-Buch selbst.

Foto: Verlag
Manuela Bialek und Karsten Weyershausen:
Das Astrid Lindgren Lexikon,
Schwarzkopf & Schwarzkopf 2004,
550 Seiten,
14,90 Euro.

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