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H.P. Baxxter (Scooter) liest Erzählungen von Thomas Bernhard
Kann auch lesen: H.P. Baxxter
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Foto: dpa
Baxxters Lesung von Thomas Bernhard ist nicht Kult, sondern peinliches Gestammel. Wenigstens ist aber der Beweis erbracht, dass Baxxter lesen kann - besser wäre aber, er täte das leise für sich.
 
Von Markus Scheffler

Um es kurz zu machen: Wer Ohren hat, sollte sich diese CD unbedingt ersparen. Bemerkenswert sind schon die Worte, mit denen das Label die CD ankündigt. Da ist von Baxxters «ausgezeichnetem literarischen Geschmack» die Rede. Das mag ja richtig sein - aber dann hätte es eine Buchempfehlung auch getan. Wer kommt schon auf die Idee, anderen Verdi vorzusingen, nur weil er dessen Arien so schön findet. Seine «ruhige Lesung», heißt es außerdem, mache Baxxter zum «Neuen Deutschen Kulturbotschafter unserer Jugend». Aber weder war Bernhard Deutscher noch darf sich Baxxter als Jugendlicher bezeichnen.

Diese Bernhard-Lesung ist ein beispielloses Verbrechen. Schon die einleitenden Worte, mit denen Baxxter dem Hörer nahelegen möchte, weshalb der «überragende» und «großartige» Autor von so großer Bedeutung ist für die Nachkriegsliteratur und für ihn selbst, ist unsäglich. Selbst wenn man Baxxter in Bezug auf Bernhard grundsätzlich zustimmen wollte - die Einfältigkeit dieses Projektes ist atemberaubend.

Schweigen wäre besser gewesen

Das bedeutungsschwangere Geschwätz von einem «Genie», dessen «starke» und «zeitlose» Texte «immer und radikal Bernhard» sind, wäre ja gerade noch zu ertragen. Viel schlimmer ist aber dieser lustlose Leierton, in dem Bernhard vom Blatt gelesen wird. Ohne Betonung und ohne Gespür für Pausen und Pointen werden die Worte vorgelesen - von ‚vortragen’ kann nicht die Rede sein. Zudem dehnt Baxxter die Vokale in einem unangenehmen norddeutschen Slang. Baxxter leitet die Texte jeweils mit persönlichen Kommentaren ein, die für jeden, der Bernhard kennt und schätzt, lächerlich und peinlich klingen.

Baxxter deklamiert wie ein Schüler, der entweder nicht einen Moment darüber nachgedacht hat oder einfach nichts von dem versteht, was er da liest. Wer Bernhard nie gelesen hat, wird sich ganz sicher nicht dazu veranlasst fühlen, es jetzt nachzuholen. Wenn Baxxter so große Stücke auf Bernhard hält, dann sollte er sich einmal Marianne Hoppes unübertroffene Lesung der «Ereignisse» anhören, an denen er sich auch versucht. Außerdem gibt es eine Vielzahl von hörenswerten Einsprechungen beispielsweise von Ulrich Matthes oder Thomas Holtzmann. Hier hätte Baxxter hören können, wie begrenzt seine eigene Rezitatsionsfähigkeiten sind und dass er sich und Bernhard einen größeren Gefallen getan hätte, hätte er geschwiegen.

Foto: Verlag
H.P. Baxxter (Scooter) liest Erzählungen von Thomas Bernhard
readINC 2004
CD, 17,99 Euro

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