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Nizar Sassi
Ich war gefangen in Guantanamo
Foto: Verlag
Zwei Jahre lang war Nizar Sassi Häftling in Guantanamo. Und erzählt nun als erster Häftling, was er dort zwischen sengender Hitze, zermürbenden Verhören, psychischer und physischer Folter erduldet hat.
 
«Die ersten Wochen sind schrecklich. In den Metallcontainern, die der sengenden Sonne ausgesetzt sind, ist es sehr heiß. Keine Landschaft mehr rundherum, nicht der leiseste Windhauch. Nichts als die grün gestrichenen Mauern und das elektrische Licht, das 24 Stunden am Tag brennt.

In unseren Sardinenbüchsen gleichen sich alle Tage, endlos und monoton. Gebete, Essen, Verhöre. Zweimal ein fünfzehnminütiger Ausgang pro Woche, einmal Duschen pro Woche. Ein einziges Buch ist erlaubt, der Koran.»

Juni 2001: Nizar Sassi, Franzose tunesischer Abstammung und in einem Vorort von Lyon aufgewachsen, lässt sich aus Langeweile und Begeisterung für Schusswaffen von Anhängern eines islamistischen Netzwerkes für ein Waffentrainingscamp in Kandahar/Afghanistan rekrutieren. Von Bin Laden und Al-Qaida hat er bis dahin noch nie etwas gehört.

Er ist zwei Monate dort, als infolge der Anschläge des 11. September Pakistan seine Grenzen schließt. Sassi erlebt die Bombardierung Afghanistans durch die USA und flieht nach Pakistan. Als er dort inhaftiert und schließlich als mutmaßlicher Terrorist und Bin-Laden-Sympathisant an die Amerikaner ausgeliefert wird, beginnt eine mehr als zweijährige Hölle: Sassi wird nach Guantanamo ausgeflogen.

Eingepfercht in eine winzige Gitterzelle, trotzt er dem Wahnsinn: Er ist sengender Sonne, endlosen, zermürbenden Verhören, Demütigungen, Schlägen und psychischer Folter ausgesetzt, stets schwankend zwischen Hoffnung, wenn sich französische Vernehmungsbeamte ankündigen, und abgrundtiefer Verzweiflung, wenn sie sich als Marionetten der Amerikaner erweisen.

Im Juli 2004 kehrt Sassi schließlich nach Frankreich zurück, wo er nach anderthalb Jahren erneuter Haft freigelassen wird. Zum ersten Mal erzählt ein Häftling, was wirklich hinter den Gittern des sogar von der US-Regierung als «rechtloser Raum» bezeichneten Gefängnisses passiert.

Nizar Sassi wird 1979 in Lyon als zweites von sieben Kindern geboren. Die Familie ist tunesischer Abstammung und lebt in einfachen Verhältnissen. Nach einer Ausbildung im Bereich Kunststoffverarbeitung arbeitet Nizar Sassi als Wachmann, als Fahrgastbetreuer, danach bis 2001 als Parkplatzwächter beim Bürgermeisteramt von Vénissieux, einem Vorort von Lyon. Seit seiner Freilassung im Januar 2006 ist er als Lagerist in Lyon tätig. (Verlag)

Foto: Verlag
Nizar Sassi:
«Ich war gefangen in Guantanamo»,
Ein Ex-Häftling erzählt,
Heyne 2006,
192 Seiten,
14,95 Euro

 
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