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Karl Dedecius Ein Europäer aus Lodz Von Lodz über Stalingrad nach Frankfurt am Main: An der Biografie von Karl Dedecius lässt sich das zwanzigste Jahrhundert studieren. Ein Leben lang warb der Übersetzer für die Aussöhnung zwischen Polen und Deutschland.
Die Autobiografie von Karl Dedecius erzählt eine prototypische Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. 1921 im polnischen Lodz geboren und dort aufgewachsen, hörte Dedecius viele Sprachen, die in dieser Textilmetropole um ihn herum gesprochen wurden. Als Sohn einer aus Schwaben stammenden Mutter und eines böhmisch-deutschen Vaters wurde Dedecius mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zur Wehrmacht eingezogen und geriet 1943 in Stalingrad für sieben Jahre in russische Gefangenschaft. Im Lager entdeckte er die russische Literatur und übersetzte die Gedichte Lermontows, flüchtete später über Weimar in die Bundesrepublik und blieb seiner großen Leidenschaft, der Literatur, treu. Sein Kampf galt der Verständigung zwischen Deutschland und Polen, wobei er mit seinen Bemühungen für die jungen Autoren Milosz, Szymborska, Herbert und Rózewicz im Westen aber lange Zeit auf taube Ohren stieß. Dedecius' Autobiografie «Ein Europäer aus Lodz» schildert den mühsamen Annäherungsprozess zweier Staaten zwischen Vergangenheitsbewältigung und der Neugier auf eine gemeinsame Zukunft in Europa. Dedecius hat hunderte Bücher, Reden und Aufsätze aus dem Polnischen ins Deutsche übersetzt, war Herausgeber der «Polnischen Bibliothek» im Suhrkamp-Verlag und Begründer des Poleninstitutes in Darmstadt. Er wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Der heute 85-jährige Dedecius lebt in Frankfurt am Main. (nz)
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Karl Dedecius: Ein Europäer aus Lodz, Suhrkamp 2006, 384 Seiten, 22,80 Euro
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