In der Galerie mythisch verehrter Politiker des letzten Jahrhunderts nimmt Mao Tse Tung wohl an der Seite von Che Guevara den prominentesten Platz ein. Noch heute ist Mao in China eine Lichtgestalt, und kritische Bemerkungen über den Großen Steuermann sind ein Tabu.Dabei ist es kein Geheimnis, dass Mao als einer der größten Massenmörder der Geschichte gelten kann. Man nimmt an, dass die Kulturrevolution über 70 Millionen Menschenleben gekostet hat. Eine neue und überaus umfangreiche Biografie legt diese Aspekte des Maoismus schonungslos offen, zeichnet sich aber insbesondere dadurch aus, dass sie die vermeintlichen politischen Leistungen Maos schlichtweg als staatsmännischen Dilettantismus desavouiert.
Die Autoren Chang und Halliday zeichnen nach, wie Mao, während das chinesische Volk unter Massenarmut und Hunger litt, großzügig Kredite an finanziell wesentlich besser gestellte Bruderländer vergab. Kredite, von denen als Ehrensache galt, dass sie nie wieder zurückgefordert wurden.
Sie schildern Mao als Sadisten, den der Anblick sterbender Menschen körperlich stimulierte, und als einen Alleinherrscher, der das Land völlig willkürlich gleichsam vom Bett aus regierte. Hier empfing er sowohl die engsten politischen Mitarbeiter als auch seine Maitressen.
Die Recherche für dieses Buch hat zwölf Jahre lang gedauert und beinhaltet Gespräche mit zahlreichen Zeitzeugen und Weggefährten des chinesischen Diktators. Bereits in dem Buch «Wilde Schwäne» hat die Chinesin Jung Chang über ihr Land geschrieben und damit weltweit ein Millionenpublikum erreicht. Ihre Mao-Biografie ist bereits jetzt ein Bestseller und will dem landläufigen Bild des Großen Steuermanns zumindest einen Knacks versetzen. (nz)