Daniel Barenboim und Edward W. Said:
Parallelen und Paradoxien
Gemeinsam hoben die beiden 1999 in Weimar den «West Eastern Divan» aus der Taufe, ein Orchester, in dem junge Musiker aus Israel und arabischen Ländern gemeinsam musizieren. Said und Barenboim glauben daran, dass kulturelle Unterschiede und politische Feindschaften durch gemeinsame künstlerische Arbeit überwunden werden können, und messen der Musik dabei eine Schlüsselstellung zu. In ihren Unterhaltungen, die nun in Buchform erschienen sind, geht es neben den politischen und gesellschaftlichen Aspekten des Friedensprozesses in Nahost ausführlich um Musik: um Beethoven, Adorno und Wagner und das Verhältnis von Opernpartitur zu literarischem Text.
Fragen nach der Kunst des Übergangs, Tempovariationen und Klangfarben sollen dabei eine Sensibilität schärfen, die auch dem politischen Bewusstsein zu gute kommt. Dann lassen sich die Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Osloer Abkommens auch vor dem Hintergrund von Tempo und Takt verstehen.

