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Lupe Gymnasium verbannt Harry Potter

Ein Gymnasium in Chemnitz hat JK Rowlings Romanreihe über den Zauberschüler Harry Potter aus dem Unterricht genommen. Grund sind die Beschwerden von Eltern.

Um eine Verletzung religiöser Gefühle zu vermeiden, wird ein Harry-Potter-Roman auf Wunsch von Eltern nicht mehr im Unterricht eines Chemnitzer Gymnasiums behandelt. Wie der Leiter des Johannes-Kepler-Gymnasiums, Stephan Lamm, am Mittwoch auf AP-Anfrage mitteilte, sollte am Beispiel des ersten Bandes von Harry Potter in der Klasse 5b der Aufbau von Märchen oder anderen fiktiven Geschichten besprochen werden. Zwei Eltern hätten darauf hingewiesen, dass die Darstellung von Geistern im Widerspruch zur religiösen Erziehung ihrer Kinder stehe.

Um ihre Kinder nicht diesen zwei Welten auszusetzen, baten die Eltern darum, Harry Potter als Unterrichtsstoff zu streichen. Die Deutschlehrerin der betreffenden Klasse habe daraufhin nach Rücksprache mit der Schulleitung in ihrem Sinn entschieden, sagte Lamm. Stattdessen werde im Unterricht jetzt das Rennschwein Rudi Rüssel behandelt.

Nach Angaben einer Sprecherin der sächsischen Bildungsagentur wurde das Vorhaben, Harry Potter im Unterricht zu lesen, zu Beginn des Schuljahres 2006/2007 im Herbst letzten Jahres angekündigt. Bereits damals habe es Proteste gegeben. Diese seien dann später bekräftigt worden.

Die schulpolitische Sprecherin der Linksfraktion.PDS, Julia Bonk, kritisierte die Entscheidung der Schule als eine Einladung an religiöse Fundamentalisten. Dies sei eine Aufforderung, den Bildungs- und Erziehungsauftrag staatlicher Schulen nach eigenem Gutdünken zu stören. Genauso gut könnten Eltern dann ihre Kinder vom Sexualkundeunterricht oder speziell Mädchen vom Schwimmunterricht abmelden. Nach dieser Logik müssten auch Grimms Märchen aus den Schulen verbannt werden, denn dort wimmelte es nur so von Hexen und Fabelwesen. Bonk forderte das Gymnasium auf, die Entscheidung rückgängig zu machen. In Sachsen müsse ein modernes und weltanschaulich unabhängiges staatliches Schulwesen erhalten bleiben. (AP)