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Erstauflage der Grass-Memoiren fast vergriffen
17. Aug 2006 13:37

Frau liest in Grass' Autobiografie
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Foto: dpa
Nach dem vorgezogenen Verkaufsstart des Günter- Grass-Buchs «Beim Häuten der Zwiebel» herrscht im Buchhandel großes Interesse an dem Werk. Die zweite Auflage ist bereits im Druck.
 
Zwei Tage nach dem Verkaufsstart der Kindheits- und Jugend-Autobiografie «Beim Häuten der Zwiebel» von Günter Grass (78) ist die Erstauflage nahezu vergriffen. Bis Freitagmorgen waren nach Angaben des Steidl-Verlages in Göttingen 130.000 der 150.000 Exemplare bereits verkauft.

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Die 2. Auflage mit 100.000 Büchern sei bereits im Druck. «Es wird keine Engpässe geben, der Buchhandel wird zu zügig mit Nachschub versorgt», sagte Claudia Glenewinkel vom Steidl-Verlag.

Das Sechsfache geordert

Der Literatur-Nobelpreisträger hatte wenige Tage vor dem Erscheinen des Buches seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS eingestanden. Beim Internet-Buchhändler Amazon sprang der Titel am Donnerstag auf Platz eins der meistverkauften Bücher.

«Wir haben natürlich sofort reagiert und etwa das Sechsfache des Ersteinkaufs geordert», berichtete Ingrid Mangelsdorff von der Thalia-Buchhandlung in der Hamburger Spitalerstraße, in der das Buch seit Donnerstag verkauft wird. «Durch die Debatte um das Waffen-SS- Geständnis, die Berichterstattung in der Presse und die Auftritte von Herrn Grass rechnen wir mit einer sehr großen Nachfrage.» Das Interesse sei zwar schon bei seinem vorherigen Werk «Im Krebsgang» groß gewesen. «Aber ich denke, dieses Buch wird den «Krebsgang» noch einmal toppen», sagte Mangelsdorff.

«Nachfrage exorbitant»

Auf außerordentliches Interesse stieß das Werk auch in der Hamburger Buchhandlung Heymann, die das Buch bereits seit Mittwoch verkauft. «Im Vergleich zu anderen Neuerscheinungen ist die Nachfrage exorbitant», meinte Sprecher Harald Butz. Bereits seit Tagen hätten Kunden nachgefragt, deutlich mehr als beim «Krebsgang». Auch Heymann habe sofort nachgeordert und etwa auf das Dreifache der Erstbestellung erhöht. «Buch und der Autor sind im Gespräch - da muss man einfach schnell reagieren.»

Das Berliner Kulturkaufhaus Dussmann berichtet ebenfalls von einem «sehr guten Verkauf» der Grass-Memoiren. Von den «paar hundert Bestellungen» habe das Kaufhaus an der Friedrichstraße am Erstverkaufstag gut ein Viertel abgesetzt, sagte Dussmann-Sprecherin Bianca Krömer, ohne konkrete Zahlen zu nennen. «Das ist viel mehr als beim vergangenen Grass-Titel «Im Krebsgang».» Auch hätten viele Journalisten Käufer zu ihrer Meinung über das Geständnis des Literatur-Nobelpreisträgers gefragt. «Es war sogar ein Team des japanischen Fernsehens hier», sagte die Dussmann-Sprecherin.

Die Gesellschafterin der Buchhandelskette Hugendubel, Nina Hugendubel, hält es für vorstellbar, dass die Nachfrage nach dem Grass-Buch wegen des Wirbels um den Autor etwas größer ausfällt als üblicherweise. Sie habe aber keinen genauen Überblick über Verkaufszahlen des Buches in den Hugendubel-Filialen oder darüber, ob das Werk nachgeordert worden sei. «So etwas geht mal so und mal so aus», sagte Nina Hugendubel der dpa am Donnerstag in München. Manche Leser interessierten sich im Zuge solcher Debatten besonders intensiv für einen Autor, andere wendeten sich von ihm ab. Eine persönliche Bewertung von Grass' Eingeständnis wollte Hugendubel nicht abgeben. «Sein Lebenswerk als Schriftsteller ist davon aber unberührt.» (nz)


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