Erstauflage der Grass-Memoiren fast vergriffen
17.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
«Wir haben natürlich sofort reagiert und etwa das Sechsfache des Ersteinkaufs geordert», berichtete Ingrid Mangelsdorff von der Thalia-Buchhandlung in der Hamburger Spitalerstraße, in der das Buch seit Donnerstag verkauft wird. «Durch die Debatte um das Waffen-SS- Geständnis, die Berichterstattung in der Presse und die Auftritte von Herrn Grass rechnen wir mit einer sehr großen Nachfrage.» Das Interesse sei zwar schon bei seinem vorherigen Werk «Im Krebsgang» groß gewesen. «Aber ich denke, dieses Buch wird den «Krebsgang» noch einmal toppen», sagte Mangelsdorff.
Das Berliner Kulturkaufhaus Dussmann berichtet ebenfalls von einem «sehr guten Verkauf» der Grass-Memoiren. Von den «paar hundert Bestellungen» habe das Kaufhaus an der Friedrichstraße am Erstverkaufstag gut ein Viertel abgesetzt, sagte Dussmann-Sprecherin Bianca Krömer, ohne konkrete Zahlen zu nennen. «Das ist viel mehr als beim vergangenen Grass-Titel «Im Krebsgang».» Auch hätten viele Journalisten Käufer zu ihrer Meinung über das Geständnis des Literatur-Nobelpreisträgers gefragt. «Es war sogar ein Team des japanischen Fernsehens hier», sagte die Dussmann-Sprecherin.
Die Gesellschafterin der Buchhandelskette Hugendubel, Nina Hugendubel, hält es für vorstellbar, dass die Nachfrage nach dem Grass-Buch wegen des Wirbels um den Autor etwas größer ausfällt als üblicherweise. Sie habe aber keinen genauen Überblick über Verkaufszahlen des Buches in den Hugendubel-Filialen oder darüber, ob das Werk nachgeordert worden sei. «So etwas geht mal so und mal so aus», sagte Nina Hugendubel der dpa am Donnerstag in München. Manche Leser interessierten sich im Zuge solcher Debatten besonders intensiv für einen Autor, andere wendeten sich von ihm ab. Eine persönliche Bewertung von Grass' Eingeständnis wollte Hugendubel nicht abgeben. «Sein Lebenswerk als Schriftsteller ist davon aber unberührt.» (nz)

