netzeitung.deStart für Grass-Buch vorgezogen

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Günter Grass vor seinem Ferienhaus auf der dänischen Insel Möhn (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Günter Grass vor seinem Ferienhaus auf der dänischen Insel Möhn
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Günter Grass' SS-Bekenntnis kann nun jeder selbst nachlesen. Sein Verlag hat sich entschlossen, das Buch schon jetzt für den Verkauf freizugeben. Viele Vorbestellungen registrierte ein Internet-Händler.

Das neue Buch «Beim Häuten der Zwiebel» von Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass ist ab sofort im Handel. Der ursprünglich für den 1. September vorgesehene Verkaufsbeginn sei angesichts der aktuellen Debatte um die Mitgliedschaft von Grass in der Waffen-SS vorgezogen worden, teilte eine Sprecherin des Steidl Verlags am Mittwoch in Göttingen mit.

In seiner Kindheits- und Jugend-Autobiografie macht der Schriftsteller nach 61 Jahren erstmals öffentlich, dass er im Winter 1944/45 in die Waffen-SS einberufen wurde. Die Startauflage des Buches beträgt 150.000 Exemplare. Einige Buchhandlungen hätten wegen des großen Interesses bereits vor der Freigabe das Werk verkauft, sagte die Verlagsprecherin.

Auch der Internethändler Amazon registrierte ein reges Interesse für den Kauf des Buches. Die Vorbestellungen für die Autobiografie seien in die Höhe geschossen, hieß es. Demnach steht das Buch auf Platz zwei der vorbestellten Bücher.

Die Grass-Kritiker dürften sich wohl bestätigt fühlen. Mehrere Kritiker, darunter der frühere Berliner Kultursenator Christoph Stölzl, hatten Grass vorgeworfen, sein Bekenntnis zu Werbezwecken für sein neues Buch zu missbrauchen. «Wieder einmal hat sich der alte Literatur-Löwe Grass als genialer Medienprofi erwiesen», sagte Stölzl der Netzeitung. Dass ihn sein Gewissen zu dem Geständnis gezwungen habe, glaube niemand, der sich mit dem Verhältnis von Literatur und Moral auskenne.

Ähnlich äußerte sich der Zentralrat der Juden in Deutschland. «Die Tatsache, dass dieses späte Geständnis so kurz vor der Veröffentlichung seines neuen Buches kommt, legt (...) die Vermutung nahe, dass es sich dabei um eine PR-Maßnahme zur Vermarktung des Werkes handelt», sagte die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, der Netzeitung. (nz)