Mozart zwischen Austern und starken Frauen
Wolfgang Amadeus Mozart erobert zu seinem 250. Geburtstag die Novitätenlisten der deutschsprachigen Verlage. An die 100 Titel porträtieren den Komponisten aufs Neue, zeichnen penibel Briefwechsel nach oder versuchen Nischen im Lebenslauf zu finden und diese selbst Kindern («Ich bin ein Musikus», Insel Verlag) schmackhaft zu machen.
Der Fokus liegt weniger auf der Einordnung des Werkes als auf der Persönlichkeit zwischen musikalischem Genie und verarmtem Eigenbrötler, der Wein, Weib und Gesang zu genießen wusste.
Die Vita: Mozarts faszinierende Lebensgeschichte lässt viele Autoren nach unaufgespürten Winkeln und Ansatzpunkten suchen. Geschichtsprofessor Piero Melograni beispielsweise bettet Mozarts Leben in das reiche kulturelle, politische und gesellschaftliche Leben des im Umbruch begriffenen 18. Jahrhunderts ein und erläutert von diesem Hintergrund die Entstehung der Mozart-Opern.
Gleichwohl war er (unfreiwilliger) Humorist und Sprachakrobat, wie eine im Manesse Verlag (Zürich) erschienene lyrische Scherzi-Sammlung belegt. Die Frauen: Wer den Meister der subtilen musikalischen Erotik als Gigolo wähnt, könnte bei der Lektüre von Enrik Lauers und Regine Müllers «Mozart und die Frauen» (Gustav Lübbe Verlag) sowie Melanie Unselds «Mozarts Frauen» (rororo) enttäuscht sein, denn im Fokus stehen nicht Mozarts amouröse Abenteuer, sondern die prägenden Frauen im kurzen Leben des Komponisten und ihr Einfluss auf den Hofkonzertmeister.
Eine davon ist seine Mutter Anna Maria, mit der Mozart das beschauliche Mannheim verließ, nachdem der gestrenge Vater den Sohn in die Welt schickte mit dem Satz «Fort mit Dir nach Paris». Unter diesem Titel veröffentlicht der österreichische Verlag Jung und Jung Briefe der Mutter und des Sohnes, die von Lebensfreude, aber auch Entbehrung zeugen.
Die zweite prägende Frau Mozarts, seine Ehefrau Constanze, erzählt im fiktiven, aber akribisch recherchierten Tagebuch-Roman von Isabelle Duquesnoy («Das Tagebuch der Constanze Mozart», Ullstein) auf knapp 500 Seiten von der bewegten Zeit an dessen Seite.
Investigativ nähert sich Lea Singer («Das nackte Leben», DVA), der, wie viele Kritiker immer wieder behaupten, «verschwendungssüchtigen und vulgären Person ohne Bedeutung».
Als der neue Salzburger Fürsterzbischof dem Jungkomponisten bezahlten Urlaub verweigert, kündigt dieser und schreibt seinem Vater, der ihn mit Diät- und Ernährungsvorschriften belegt hatte, 1777: «Mir ist so feder leicht ums herz seit dem ich von dieser Chicane weg bin! - - ich bin auch schon fetter.» Die Genüsse rund um Rieslingcremesuppe, gefüllten Kapaun oder gebackene Austern sind Appetit anregend zum Nachkochen arrangiert.
Mit Anekdoten würzt Schauspieler Sascha Wussow sein «Mozart-Kochbuch» - eine Sammlung von Rezepten aus der Zeit des Komponisten und von Orten, an denen er lebte oder zu Gast war.

