09.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
'Harry Potter'-Cover
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit einer ungewohnt harmlosen Meldung aus dem umstrittenen Gefangenenlager Guantanamo warten derzeit US-Medien auf. Bei den Gefangenen sei der Zauberlehrling Potter sehr beliebt.
Nachdem der Großteil der Welt die schwere PR-Krise der USA wegen Koranschändungen in Guantanamo bereits wieder vergessen hat, legen US-Medien mit einer kuschelweichen Geschichte aus dem umstrittenen Gefangenenlager nach.
Die «Washington Post» will wissen, dass die Gefangenen, von denen viele nur auf Verdacht seit Jahren ohne Anklage oder richterliche Anhörung festgehalten werden, gerne J.K. Rowlings «Harry Potter»-Bücher lesen. «Wir haben ein paar, die hat es richtig erwischt», lässt sich eine Bibliothekarin namens Lori zitieren. «Einige haben sogar gefragt, ob sie den Film sehen dürfen.»
Außerdem läsen die als Taliban beziehungsweise Al-Qaeda-Anhänger eingestuften Häftlinge gerne die Krimis von Agatha Christie.
Ruhig haltenAllerdings sei es nicht so, dass die Gefangenen in die Bibliothek schlenderten und ein bisschen durch die Regale stöberten, wo angeblich neben 1600 Exemplaren des Koran in verschiedenen Sprachen rund 800 andere Bücher stehen. Zudem gebe es «familientaugliche» Filme. Eine Auswahl an Lesestoff werde auf einen Wagen gepackt, und die drei Bibliothekare führen dann von Zelle zu Zelle, so der Bericht.
Bücher politischen Inhalts sucht man in der Bibliothek umsonst: «Wir versuchen, die Leute ruhig zu halten und nicht zu Aufständen aufzuhetzen», so die Bibliothekarin. (nz)