Harald Schmidt: 

netzeitung.deMulatten in gelben Sesseln

 Herausgeber: netzeitung.de

 (Foto: Verlag<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe
Foto: Verlag
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Neben dem Kabarett und der Fernsehunterhaltung hat Harald Schmidt auch ein ausgesprochenes Talent für die geschriebene Satire. Sein neues Buch enthält scheinbar auch Biografisches.

«Als ich am 18. August 1937 in St. Petersburg (dem heutigen Putingrad) zur Welt kam, war meine Mutter gar nicht dabei. Sie war mit Onkel Teddy zum Bahnhof gelaufen, um die Bilette zu kaufen. Alle anderen in unserer Straße, dem Lastimynutski-Prospekt, sprachen von Fahrkarten, aber Mamuschka sagt Billette, denn in unserer Familie herrschte ein hoher Ton.»

Von einem hohen Ton kann man auch bei Harald Schmidt sprechen, der mit diesen Zeilen eine fiktive Autobiografie einleitet, die nun unter dem Titel «Mulatten in gelben Sesseln (Die Tagebücher 1945-52)« erschienen ist. Es ist der hohe Ton eines Sprachkünstlers, der sich neben seinem unbestrittenen Talent auf dem Feld des Kabaretts und der Fernsehunterhaltung auch mit dem geschriebenen Wort zu behaupten weiß.

Schmidts satirische Skizzen, die neben der Persiflage auf das Genre der Memoiren und des Tagebuchs überwiegend klassische Glossen enthalten, die er im Magazin »Focus« veröffentlicht hat, behandeln neben Persönlichem auch politische Stoffe und Themen aus den Niederungen des Boulevards.

Es geht um Wahlprogramme, die Rechtschreibreform, Billigkreuzfahrten, die Wildmosers, Mel Gibson und den Papst. Dass Harald Schmidt schreiben kann, hat er bereits in den Büchern »Tränen im Aquarium«, »Warum«, »Wohin«, »Quadrupelfuge« und »Avenue Montaigne« unter Beweis gestellt. (nz)

Harald Schmidt:
Mulatten in gelben Sesseln
(Die Tagebücher 1945-52),
KIWI 2005,
246 Seiten,
8,90 Euro