Gerhard Steiner (Hg.) Ein kurzweilig Lesen von Till Eulenspiegel  | | | Foto: Verlag |
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Narren und Kinder sprechen die Wahrheit und halten einer verkommenen Gesellschaft den Spiegel vor. Till Eulenspiegels noch immer aktuelle Streiche liegen nun in Form des Volksbuchs von 1515 wieder vor.
Kaum eine andere Geschichtensammlung ist in deutscher Sprache so oft nacherzählt und umgedichtet worden wie das «Volksbuch von Till Eulenspiegel», von dem es in seiner ersten Druckfassung im Jahr 1515 hieß, man solle es lesen, wenn «die Stunden kurz werden und sodann die gebratenen Birnen wohl schmecken bei dem neuen Wein.» Die Possen Till Eulenspiegels, der als fahrender Gesell in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts tatsächlich gelebt hat und in Mölln, einer Kleinstadt zwischen Hamburg und Wismar, der Pest zum Opfer fiel und beerdigt wurde, taugen allerdings damals wie heute nicht bloß zur Unterhaltung. Wenn es stimmt, dass Narren und Kinder die Wahrheit sprechen, sind sie dazu angetan, einer Gesellschaft von Vernünftigen und Erwachsenen den Spiegel vorzuhalten und erzählen zugleich davon, wie weit es sich mit List, Witz und Tücke bringen lässt. Dabei kommen gerade die vermeintlich ehrenwerten Stützen der Gesellschaft, wie Kaufleute, Geistliche, Handwerker und Bauern nicht gut davon. Habgierig und missgünstig sind sie alle darauf bedacht, den Nächsten zu übervorteilen – treffen sie aber auf Eulenspiegel, blicken sie zum ersten Mal ins Antlitz ihrer eigenen Nichtigkeit. So aktuell die Moral hinter diesen überaus lustigen Schwänken auch anmutet, es lohnt sich, sich Till Eulenspiegels Streiche wieder in der originalen Fassung vorzunehmen, denn es ist in der Tat «ein kurzweilig Lesen.» (nz)
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Gerhard Steiner (Hg.): Ein kurzweilig Lesen von Till Eulenspiegel, Eulenspiegel Verlag 2005, 192 Seiten, 12,90 Euro
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