Eric-Emmanuel Schmitt: 

netzeitung.deDie Schule der Egoisten

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 (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Was ist, wenn die ganze Welt nur als Traum und alles, was es gibt, nur in der Imagination des Subjekts existiert? Eric-Emmanuel Schmitt hat einen philosophischen Roman geschrieben.

«Es war an einem Dezemberabend in der Bibliothèque Nationale. Ich hatte den ganzen Tag über registriert, notiert und angemerkt, Sachen entdeckt und ausgewertet, diskutiert und nachgedacht, und nun hatte ich genug, mir brannten die Augen, ich legte den Federhalter aus der Hand, die mir schwer geworden war, und schob meinen Stuhl zurück.»

So gestaltet sich der harte Alltag eines Philosophiedoktoranden. Lesen, verstehen und verarbeiten, was Generationen von Denkern bereits zu Papier gebracht haben – ein ödes Unterfangen, wenn es bloße Philologie bleibt und keinen Anschlusspunkt an das eigene Leben und Denken finden will. Der Protagonist in Eric Emmanuel Schmitts neuem Roman verspürt diesen Überdruss, bis er an eben jenem Dezemberabend auf ein ihm bis dahin unbekanntes Buch stößt: «das Werk eines gewissen Fustel des Houillères, erschienen 1798, als Quartband, bei Nicéphore Salvin, Buchhändler.»

Mit diesem Buch öffnet sich dem Studenten eine völlig neue Welt. Der Eintrag, den er auf Seite 96 entdeckt, wird sein Leben verändern: «Als Egoisten bezeichnet man einen Menschen, der glaubt, er allein existiere auf der Welt und alles andere sei nur ein Traum.» Dass die Welt nicht an sich, sondern nur im Subjekt existiere, war die folgenreiche Feststellung eines gewissen Gaspard Languenhaert, eines brillanten Denkers aus den Niederlanden. Die Konsequenzen dieser Voraussetzung sind immens: Was ist eine Unterhaltung wert, wenn jedes Gespräch letztlich nur ein Selbstgespräch ist? Was ist die Liebe, wenn jeder erotische Reiz ausschließlich in der eigenen Imagination wurzelt?

Der 1960 geborene Schmitt kennt das Milieu, das er beschreibt. An der Ecole normale superieur hat er selbst Philosophie studiert. Seine Dissertation schrieb er 26-jährig über das Thema «Diderot und die Metaphysik». Bekannt wurde er allerdings als Romancier und Theaterautor. Sein letzter Roman, «Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran» war ein riesiger Erfolg. (nz)


Eric-Emmanuel Schmitt:
Die Schule der Egoisten,
Ammann Verlag 2004,
170 Seiten,
16,90 Euro