Kawasaki ZX-6R 2009:
Leichter ans Limit
18.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Kawasaki hat sich die Kritik an der Ninja ZX-6R zu Herzen genommen. Der neue grüne Supersportler ist leichter und stärker geworden. Das dokumentiert die neue Ninja nicht nur durch eine dem Flaggschiff ZX-10R angenäherte Optik mit spitzer Front und markantem Doppelscheinwerfer, auch der Schalldämpfer wanderte vom Heck wieder auf die rechte Fahrzeugseite in Schwingenhöhe. Als Beweis für die extrem tief greifenden Änderungen soll eine imposante Zahl aus den technischen Daten dienen: Nachdem die aktuelle ZX-6R wegen ihres Übergewichts reichlich gescholten wurde, spart die Neue stattliche zehn Kilogramm gegenüber der Vorgängerin ein eine für Supersportler geradezu unfassbare Dimension.
Weitergehende Gedanken an die technischen Hintergründe verdrängt die erste Testsession auf dem seit 2005 Kawa-eigenen Testareal. Autopolis ist eine recht enge Rennstrecke über 4674 Meter mit vielen unterschiedlichen Bögen, einer Haarnadel-Kuppe, schwierigen Schikanen, reichlich Bodenwellen und mit einem Höhenunterschied von 52 Metern. Nach den ersten Testrunde erweist sich neue Ninja als Bike mit einer entschärften Ergonomie und etwas weiter hinten und nach innen liegenden Lenkerenden, die das Turnen erleichtert und selbst langen Lulatschen ausreichend Platz bietet.
Sogar das Gasanlegen aus dem Schiebebetrieb geschieht unauffällig. Das neue Auspuffsystem und geänderte Strömungsverhältnisse unter anderem durch Ansaugtrichter mit verschieden langen Führungen machen den Reihenvierer deutlich fleischiger im mittleren Drehzahlbereich. Ab 6000 Touren geht schon etwas, ab 8500 bis 9000 Touren kommt Leben in die Bude, und so richtig zwackelt der Motor ab 12.000 U/min bis kurz vor den roten Bereich bei 16.000. Als freundliche Gedankenstütze zeigt die Drehzahlmesserskala ab 8000 die Zahlen größer und in Grün an, die Nadel bewegt sich hier also im doppelten Sinne im grünen Bereich. Darüber mahnt ein Schaltblitz in Orange zum Gangwechsel in der wunderbar flutschig bedienbaren Sechsgangbox, wobei für die kniffligen Autopolis-Passagen dank der fülligen Drehmomentabgabe die Gänge Zwei und Drei genügen und die Schaltarbeit minimieren.
Umlegen und Einlenken erfordern keine größeren Überredungskünste, anders noch als ihre Vorgängerin biegt die 2009er Ninja ohne Umschweife auf die gewünschte Linie ein. Hier macht sich natürlich die BPF-Gabel um ausgezeichnete Führungsqualität verdient, doch das allein erklärt nicht die neue Leichtigkeit: Die Kawa-Fahrwerksingenieure überarbeiteten die Rahmensteifigkeit, versetzten den Motor schwerpunktgünstig und machten den Lenkkopfwinkel steiler (von 65 auf 66 Grad). Ohne Einbußen bei der Kurvenstabilität eilt die ZX-6R durch Wechselkurven, pfeilt in voller Links-Schräglage über eine Kuppe und stürzt sich unbeirrt eine kurze Gerade den Berg hinab. Alles bleibt ruhig, nichts wackelt, und die Kawa bleibt ihrem eingeschlagenen Kurs treu. Zwei Kurven später beim Aufrichten und Umlegen aus einer Doppelrechts in eine langgezogene Links erwischt man kurz vor einer kleinen Kuppe eine deftige Bodenwelle, über der die Front richtig leicht wird. Hier sorgt neuerdings ein einstellbarer Öhlins-Lenkungsdämpfer für Ruhe im Lenker und unterm Helm.

