Jaguar XJD vs. Chrysler 300C CRD: Extravaganz gepaart mit Kraft
25.01.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Chrysler 300C und Jaguar XJ gehören zu den schönsten Limousinen auf dem Weltmarkt. So sehr sich die glitzernden Edel-Aushängeschilder von Audi, Lexus, Mercedes, VW oder BMW auch bemühen - bei einer Schönheitskonkurrenz hätten die zugegeben nahezu perfekten Luxusvehikel kaum eine Chance.
Ganz anders weiß der Jaguar zu verzücken. Schön waren die britischen Limousinen schon immer. Filigrane Formen, deutlich weiblicher und zurückhaltender als beim bulligen 300C, bestaunen wir beim XJ. Bei ihm ist alles schön. Er fällt nicht zum Heck hin ab, wie sein amerikanischer Kollege. Das flache Dach, das lange Heck eine Augenweide selbst für die, die sich nie für Autos begeistern konnten.
Im Hause Chrysler zauderte man längere Zeit, denn zum Marktstart war kein entsprechendes Dieselaggregat verfügbar. Doch mittlerweile kann man aus dem Vollen schöpfen. Der drei Liter große Klassenliebling aus dem Hause Mercedes-Benz haucht dem Vollblut-Ami mit Produktionsstandort Graz einen kraftvollen Odem ein. Drei Liter Hubraum, 160 kW / 218 PS und bullig grollende 510 Nm Drehmoment kratzen am Thron des HEMI-Modells.
Der fünf Meter lange 300C scheint gerade auf diesen Dieselmotor gewartet zu haben. 230 km/h Spitze und 0 auf 100 km/h in 7,9 Sekunden katapultieren ihn knapp vor den Jaguar, der sich mit seinem 2,7-Liter großen Sechszylinder dezent zurückhält. Sein Sechszylinder säuselt leise und lässt dank Dämmglas kaum Geräusche in den Innenraum.
Der Jaguar profitiert von seinen 1,7 Tonnen Leergewicht. Die PS-stärkere Konkurrenz hat meist 300 Kilogramm mehr auf den Rippen. Doch so gibt es trotz überschaubarer 207 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h und den Spurt 0 auf 100 km/h schafft der Hecktriebler in knapp acht Sekunden. Die 435 Nm maximales Drehmoment drücken einen jedoch weit weniger imposant in die Sitze als das US-Pendant. Das Sechsgang-Automatikgetriebe arbeitet prächtig, doch die bewährte Fünfgang-Version von Mercedes macht kaum einen schlechteren Job. Beim Fahrwerk bietet der Jaguar überraschend deutlich das bessere Paket. Die Luftfederung schluckt alles ohne Mucken, die Lenkung arbeit präzise und selbst auf engen Landstraßen bietet der XJD mehr Spaß als das nur durchschnittliche Chrysler-Paket.
Umsteigen in den Jaguar: Die elektrischen Ledersitze sind mindestens zwei Klassen besser als im 300C. Auch hinten sitzt man ordentlich und freut sich über Annehmlichkeiten wie eine separate Klimaregelung, Sitzheizung und ordentliche Kopfstützen. Davon kann man im Amerikaner nur träumen. Doch auch der «Jag» hat seine Schwächen. Lichtbedienung am Lenkstockhebel, der bei Sonne schwer abzulesende Touch-Screen-Bildschirm und besonders das nur im Stand zu bedienende Navigationssystem trüben den guten Gesamteindruck.
Für die besagte Finanzlücke kann man der Dame des Hauses noch ein kleines Cabriolet oder einen chicen Kompaktwagen in die Garage stellen. Kaum zu glauben, aber wahr. So kann der Chrysler 300C CRD den Vergleichstest aufgrund des mächtigen Preisunterschiedes letztlich doch noch gewinnen. Disziplinen wie Fahrwerk, Innenraum und Image gehen zwar klar an den Briten, doch mehr als 23.000 Euro und ein besserer Motor drehen das Rennen auf der Ziellinie um.

