netzeitung.deTurbo-Cabriolet von Saab zeigt wenig Esprit

 Herausgeber: netzeitung.de

Lupe Turbo-Cabriolet von Saab zeigt wenig Esprit

Das Saab 9-3 Cabrio mit dem 1,8 Liter großen Einstiegsturbo ist nicht gerade eine Sportskanone. Im Innenraum ist vom traditionellen Saab-Design nichts mehr zu spüren - Plastik überall.

Was der Automarkt auch macht, die Cabrios erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch in schwierigen Zeiten ist man hierzulande gerne oben ohne unterwegs. Anders sein als die breite Masse und trotzdem ein alltagstaugliches Auto – nicht nur die Akademikergilde greift gerne zum Saab Cabriolet; seit Jahren eine feste Größe bei den offenen Viersitzern.

Während viele Hersteller den Drang zu kleineren Modellen spüren, erfreut man sich bei den GM-Schweden eines Hangs zum Luxus. Topmodelle laufen besonders gut. Doch ohne gute Einstiegsmodelle ist jedoch auch bei Saab nur schwer etwas zu machen. Dieselcabrios gibt es bisher nicht. Das Einsteigermodell ist daher das Saab 9-3 Cabrio 1.8t mit 110 kW/150 PS.

Kaum mehr km/h als Vertreterdiesel
Genug, um die anspruchsvolle Kundschaft zufrieden zu stellen? Die Bezeichnung 1.8t ist eine Mogelpackung. Der Motor ist nahezu identisch mit dem größeren 2.0t. Ebenfalls gibt es zwei Liter Hubraum, vier Zylinder und 16 Ventile, jedoch einen anderen Turbolader und eine geänderte Motorsteuerung. Das kostet 25 PS, die man schnell vermisst. Das maximale Drehmoment von 240 Nm steht bei 2500 U/min zur Verfügung. 0 auf 100 km/h in gemessenen 10,7 Sekunden – nicht gerade eine Sportskanone. Auch 207 km/h sind kaum mehr als die unzähligen Vertreter-Diesel auf der linken Autobahnspur.

Grund für das träge Fahrgefühl ist die lange Gangübersetzung und das mächtige Gewicht. Das Saab 9-3 Cabriolet tanzt mit mehr als 1,6 Tonnen Leergewicht nicht in der Schmetterlingsklasse. So muss man die Gänge mit dem Vierzylinder-Turbo kraftvoll ausdrehen, um auf Touren zu kommen. Dann jedoch ist der versprochene Durchschnittsverbrauch von 8,6 Litern Super auf 100 km nicht zu packen. Im Praxistest verbrauchte der Schwede mit Produktionsstandort im österreichischen Graz immerhin 10,4 Liter auf 100 km.

Cruisen statt rennen
Das 4,64 Meter lange Cabriolet ist ein eleganter Gleiter. Lässig ist er auf den Flaniermeilen zu Hause. Die flotte Gangart mag er nicht. Wer sportliches Fahren liebt, muss in bedrängen. Zur komfortablen Abstimmung und dem Ambiente eines Cruisers mag das jedoch nicht so recht passen. Schnell vermisst man auch einen sechsten Gang. Bei höherem Autobahntempo würde ein drehzahlreduzierender Gang wohl tun.

Die Fahrwerksabstimmung ist saab-typisch komfortabel, aber nicht unharmonisch. Man fühlt sich wohl, könnte sich aber gut an eine steifere Karosserie gewöhnen. Die Lenkung arbeitet gewohnt präzise. Störend wirken sich die Antriebskräfte aus. Der Frontantrieb leitet seine Vortriebswünsche über das Steuer an den Fahrer weiter. Gerade in engen Kurven zeigt der 9-3, dass Fahrdynamiker nicht wunschlos glücklich sein werden.
Kaum Wirbel
Man genießt dagegen das Dahingleiten mit geöffnetem Dach. Der Windschott aufgestellt und nur wenige Verwirbelungen dringen zu den Passagieren in der ersten Reihe. Die Sitze sind bequem und so kann man die warme Sommerluft genießen. Wird es kälter, helfen ein kraftvolle Heizung und die beheizbaren Stühle. Sollte sich der Himmel doch zu einem feuchten Intermezzo entscheiden, schließt sich das Dach bis Tempo 50 auch während der Fahrt. Das sorgt für Sicherheit bei wetterbedingten Ampelmanövern.

Ist die Mütze erst einmal geschlossen, kann man kaum glauben in einem Cabrio zu sitzen. Das Stoffdach schließt vorbildlich und zeigt, dass Cabriodächer nicht aus Stahl sein müssen. Geräusche und Witterungseinflüsse werden in jedem Geschwindigkeitsbereich vorbildlich gedämpft.

Das Styling im Innenraum lässt das typische Saab-Styling vergangener Jahre vermissen. Lieblose Kunststoffoberflächen wollen nicht in ein Cabriolet der Prestigeliga passen. Die Bedienelemente in der Mittelkonsole sind klar gegliedert, jedoch wenig einfallsreich. Ärgerlich, dass nach jedem Neustart des Motors die Klimaautomatik neu eingestellt werden muss.

Bei geöffnetem Dach werden die Gradeinstellungen durch undurchsichtige Ziffern ersetzt. Die Sitze sind bequem und lassen sich vielfältig einstellen. Selbst im Fond hat man im Bedarfsfall Platz. Jedoch dürften die Kopfstützen hinten gerne ein Stück höher sein. Ansonsten hat die Sicherheitsausstattung mit diversen Airbags, ESP, ABS und Überrollschutz keine Schwächen. Für die rechte Alltagstauglichkeit sorgt zudem ein Stauraum von 352 Litern.

Teures Vergnügen
Saab – das heißt auch die Wahl zwischen drei Ausstattungslinien. Das Basismodell 9-3 1.8t beginnt bei 33.100 Euro, doch zumindest der Vector sollte es schon sein. Der kostet mindestens 36.050 Euro und bietet unter anderem Klimaanlage, 17-Zoll-Alufelgen, Nebelscheinwerfer, Multifunktions-Lenkrad und Ledersitze. Kaum zu glauben, dass beheizte Sonnenstühle 325 Euro kosten. Weiterhin empfehlenswert sind Klimaautomatik, Regensensor, Tempomat, Park-Assistent für 1100 Euro, Bi-Xenon-Scheinwerfer (750 Euro) und Navigationssystem (ab 2200 Euro). Dann steht dem Oben-ohne-Vergnügen zu jeder Jahreszeit kaum noch etwas im Wege.