13.07.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Saab 9-3 1.9 TID: Nichts für Schaltfaule
Das Einstiegsmodell beim Saab 9-3 ist in zwei Leistungsstufen erhältlich. Bei der schwächeren Version hat der Fahrer richtig zu tun, um den Schweden auf Touren zu bringen.
Wie keine andere Marke konnte sich Saab in den vergangenen Jahrzehnten als Turboexperte profilieren, zunehmend auch bei Dieselmotoren. Mittlerweile sind die erfolgreichen GM-Selbstzünder auch bei den Schweden unter der Haube. Doch haben die Schweden seit Jahren mit schwachen Verkaufszahlen zu kämpfen.
Unter den nach wie vor sehenswert geschnittenen Blechkleidern gibt es bewährte Opel-Technik. Die Verwandtschaft von Opel Vectra mit dem Saab 9-3 sieht man ihm nicht einmal auf den zweiten Blick an. Die Gemeinsamkeiten liegen unter Blech, Abdeckungen und Leisten verborgen. Gut so, denn der gemeine Saab-Kunde soll nicht mit Anhängern der Rüsselsheimer-Fraktion in einem Topf geworfen werden. Opel für die Mittelschicht – Saab ist dagegen mit dem leichten Nobeltouch behaftet, die europäische GM-Edelmarke. Das gilt selbst beim Einstiegsmodell, dem Saab 9-3 1.9 TID.
Frühes Runterschalten empfehlenswertMit welchem Diesel ist man gut unterwegs? Der Saab 9-3 1.9 TID ist derzeit in zwei Leistungsstufen erhältlich. Zum einen der 150 PS starke Sechzehnventiler, zum anderen der Achtventiler mit 88 kW/120 PS. Beide laufen sparsam und drehmomentstark, und auch der kleinere der beiden Brüder ist auf den ersten Metern gut unterwegs. Das Maximaldrehmoment von 280 Nm steht bei 2000 U/min zur Verfügung. Mittlerweile in der Dieselklasse üblich, aber trotzdem angenehm. Doch man muss nicht erst auf die Autobahn abbiegen, ehe man die 30 Pferde des großen Bruders vermisst.
Auf der Landstraße ist man flott unterwegs, ehe der erste Überholvorgang ansteht. Die oberen Gänge 5 und 6 des leicht zu schaltenden Sechsganggetriebes sind betont lang ausgelegt. So ist aus dem Drehzahlkeller nicht viel zu machen. Herunterschalten ist man von einem Commonraildiesel oft gar nicht mehr gewöhnt – hier ist es ratsam. Dann klappt es auch mit dem Überholen. Selbst an langen Autobahnsteigungen ist man gehalten, ins Gestänge zu greifen und in den niedrigeren Gang zu wechseln. Hier fehlt Drehmoment, Hubraum und Leistung.
Fahrer wird gefordertDer Spurt 0 auf 100 km/h ist mit gemessenen 11,8 Sekunden nicht ganz so sportlich wie gewünscht. Dabei geht die Höchstgeschwindigkeit mit 200 km/h in Ordnung, zumindest für ein Einsteigermodell. Doch eine vergleichbare 150-PS-Version tut sich spürbar leichter. Der Mehrpreis von 1300 Euro ist somit gut angelegt. Zumal der versprochene Durchschnittsverbrauch ebenfalls auf Augenhöhe liegt. Versprochen waren 5,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer. In der Realität waren es durchweg mehr als sieben Liter. Das ist zu viel und abseits aller Verheißungen. Euro 4 und Partikelfilter sind seit dem Abgesang des alten 2.2 TID zum Glück Standard.
Doch man kommt nicht umhin, dass man sich ein paar mehr Pferde unter der Haube wünscht; zumindest wenn man die Stadtgrenzen hinter sich gelassen hat. Dabei ist der 9-3 1.9 TID nicht lahm, aber um ihn sportlich zu fahren, hat man die rechte Hand ungewohnt oft am Schalthebel. Beim Beschleunigen aus höheren Geschwindigkeiten wird es besonders deutlich, dass 120 PS in einem knapp 1,6 Tonnen schweren Fronttriebler keine Welt sind. Das Fahrwerk bietet dagegen eine gute Mischung. Die Abstimmung von Federn und Dämpfern sorgt auch auf schlechten Straßen noch für genügend Ruhe in der Karosserie, lässt die Fahrdynamik jedoch nicht zu kurz kommen. Im Grenzbereich schiebt der 9-3 spürbar über die Vorderachse.
Leichte KomfortschwächenIm Innenraum erwartet uns das gewohnt angenehme Saab-Styling. Das Steuer lässt sich ebenso präzise einstellen wie die gut konturierten Sitze. Die bieten angenehmen Langstreckenkomfort und genügend Beinauflage. Auch im Fond sitzt man angenehm. Der Kofferraum ist 425 Liter groß. Zudem lässt sich die etwas zu weiche Rückbank praktisch im Verhältnis 60:40 teilen. Die Schalter am Armaturenbrett sind nüchtern platziert und lassen etwas Charme vermissen. Nervig zeigt sich die Bedienung der optionalen Klimaautomatik. Den Wagen gerade ein paar Stunden in der Tiefgarage abgestellt und man kann die Klimatisierung abgesehen von der Temperatur komplett neu einstellen - Luftverteilung, Intensität, alles.
Navigationsgerät nicht zu empfehlenDiese Komfortschwäche wird nur von Navigationssystem übertroffen. Die Bedienung ist kinderleicht und der Farbbildschirm lässt sich selbst bei Sonneneinstrahlung gut ablesen. Aber die Geschwindigkeit des Prozessors lässt auf ein antikes Produkt schließen. Ehe man den Namen von Land und Stadt eingegeben hat, hat man die ersten Kilometer bereits hinter sich. Auch während der Fahrt gönnte sich das System gerne einmal eine Auszeit und suchte ohne Angaben von Gründen nach einer neuen Route. Bei einem vergleichbaren Saab-Referenzmodell kam es zu den gleichen Problemen. Scheinbar kein Einzelfall. Wen stört da schon, dass die elektrischen Fensterheber über keine Komfortschaltung verfügen? Die kostet unglaubliche 150 Euro Aufpreis.
Der Basispreis für den Saab 9-3 1.9 TID Linear liegt bei 25.500 Euro. Sinnvoll bleiben das Comfortpaket (1100 Euro)mit Klimaautomatik, Einparkhilfe, Tempomat und abblendbaren Spiegeln. Ebenfalls eine gute Wahl sind Xenon-Scheinwerfer (750 Euro), Sitzheizung (325 Euro), Regensensor (75 Euro) und Navigationssystem (ab 2200 Euro).