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Lupe Fahrwerkskonstruktion ist beim Nissan Patrol GR verbesserungswürdig

Der Nissan Patrol GR ist im Gelände ein verlässlicher Partner - trotz seiner 2,5 Tonnen Leergewicht. Die Fahrwerkskonstruktion lässt bei schlechten Straßen aber Wünsche offen.

Er gehört zu den Elefanten im Geländewagensegment. Der Nissan Patrol ist bereits seit mehr als fünf Jahrzehnten auf dem Markt. Er ist nichts für Schöngeister, kein allradbetriebener Luxus-Schlitten, der allein auf der Promenaden dieser Welt eine gute Figur macht. Wer sich für den Nissan Patrol GR entscheidet, der freut sich auf die Fahrt Gelände. Der fünftürige Patrol GR ist ein Gelände-Koloss, das seinesgleichen sucht. Im Laufe der Jahre hat sich der ehemals rustikale Patrol zu einem ansehnlichen Geländewagen gemausert, der auch im Alltagsbetrieb eine überzeugende Figur macht. Der breite Chrom-Kühlergrill und die wuchtigen Schürzen rundherum verbreiten fast so etwas wie Eleganz bei dem 5,06 Meter langen Kletterkönig.
Imposant wie ein Elefant
Außer dem Toyota Landcruiser 100 oder dem übermächtigen Edel-SUV Range Rover hat kaum ein Fahrzeug die imposanten Ausmaße des Nissan Patrol GR. Über fünf Meter lang, knapp zwei Meter breit und ein Radstand (2,97 m), in dem ein Smart problemlos verschwinden könnte. Allein das Leergewicht des Nissan Patrol liegt als Fünftürer bei über 2,5 Tonnen - unbeladen wohlgemerkt.

Kein Wunder, dass das Dreiliter-Aggregat des Patrol mit nur vier Zylindern alle Hände voll zu tun hat. Der Turbodiesel-Direkteinspritzer gehört nicht gerade zur neuesten Bauart und leistet in jedem Drehzahlbereich laut zu vernehmende 116 KW / 158 PS. Das wuchtige Drehmoment von maximal 354 Nm ist bereits bei 2.000 U/min verfügbar.

Vierzylinder passt nicht
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 165 km/h, den wenig aussagekräftigen Spurt 0 - 100 km/h schafft der fünftürige Patrol in fast qualvollen 15,4 Sekunden. Der Motor ist kräftig und treibt den GR gerade im Gelände unnachlässig nach vorn. Allerdings passt ein Vierzylindermotor nicht in einen Allradler mit diesen Ausmaßen - schließlich liegt das zulässige Gesamtgewicht bei 3,1 Tonnen. Sechs Zylinder sollten es in jedem Falle sein, denn die Laufruhe des monoton dröhnenden Dreiliters hält sich stark in Grenzen. Immerhin kann der Patrol beachtliche 3,5 Tonnen Gewicht an den Haken nehmen. Nissan gibt an, das Patrol-Fahrer durchschnittlich einmal pro Woche mit Anhänger unterwegs sind.
Durst hält sich in Grenzen
Mit einem stärkeren Motor täte sich der Patrol im Anhängerbetrieb oder bei Autobahnsteigungen deutlich leichter. Bestleistungen beim Durchschnittsverbrauch sind nicht zu erwarten. Dennoch hielt sich der Durst des Allrad-Urgetüms mit durchschnittlich 11,9 Litern Diesel auf 100 km in einem akzeptablen Rahmen. Leider schafft die betagte Direkteinspritzer-Technik weder die strenge Schadstoffnorm Euro 4, noch gibt es einen sauberen Partikelfilter, der die Abgase reinigt.

Im normalen Fahrbetrieb werden beim Patrol allein die Hinterräder angetrieben. Manuell ist bis Tempo 40 km/h der Frontantrieb am Mitteltunnel zuzuschalten, wenn es ins unwegsame Gelände geht. Beim Wechsel in den Allradbetrieb werden automatisch die Freilaufnaben an der Vorderachse aktiviert. Wird es im Gelände besonders heikel, kann der Fahrer am Armaturenbrett zudem einen Stabilisator an der Hinterachse zu- oder abschalten. Zudem gibt es eine manuelle Differentialsperre für die Hinterachse.

Im Gelände im Element
Im Gelände zeigt der Nissan Patrol sein echtes Potential. Mit Allradantrieb und Geländeuntersetzung setzen ihm allein seine üppiges Gewicht und die wuchtigen Dimensionen Grenzen. Kommt der Patrol einmal ins Rutschen, gibt es kaum noch ein Halten. Besonders wichtig im Gelände: Lenkung und Bremsen lassen sich gut und präzise dosieren. So läßt sich der Nissan selbst durch sehr anspruchsvolle Passagen im Wald zirkeln. Beeindruckend zeigt sich die Watttiefe mit 70 cm sowie die exzellenten Böschungswinkel durch kurze Überhänge vorn und hinten. Die nächste Wasserdurchfahrt kann kommen.

Doch auch auf der Straße weiß der Nissan Patrol GR mit seinem ausgewogenen Fahrwerk durchaus zu überzeugen. Durch die jedoch nur wenig zeitgemäße Fahrwerkskonstruktion wünschen sich die Passagiere auf schlechten Straßen mehr Federungskomfort. Bodenwellen und Querfugen werden direkt an den Innenraum weitergegeben. Zudem stoßen bei größeren Geschwindigkeiten die hier zu leichtgängige Lenkung und die Bremsen an ihre Grenzen.

Platz zur Genüge
Das Platzangebot im Innenraum ist mehr als üppig. In der ersten und zweiten Reihe haben Erwachsene jeder Größe Platz. Zudem bietet der Patrol auch eine dritte Sitzreihe, die man jedoch allenfalls Kindern und Personen unter 1,70 m zumuten kann. Das Cockpit wirkt lieblos und erinnert eher an den Charme der späten 80er Jahre. Etwas mehr Design dürfte es auch bei einem Geländewagen sein. Wer die überdimensionale Hecktür öffnet, schaut in ein Packparadies. Die zwei Einzelsitze der dritten Reihe können mit wenigen Handgriffen zur Seite nach oben geklappt werden. Das Kofferraumvolumen liegt je nach Sitzeinbauten zwischen 607 und 1.998 Litern. Wer möchte kann sogar ein Fahrrad quer im Kofferraum hinter den Sitzen stehend transportieren.

Der Nissan Patrol GR 3.0 Di ist in den drei Ausstattungsvarianten Profi, Comfort und Elegance erhältlich. In der hochwertigen Ausstattungstufe Elegance gibt es eine Sicherheitsausstattung mit ABS, Front-, Seiten- und Kopfairbags sowie Vordersitze mit integrierten Gurtstraffern. Auch der Komfort kommt nicht zu kurz: Serienmäßig ist der lange Patrol mit Scheinwerfer-Reinigungsanlage, Nebelscheinwerfern, Kompass, elektrischem Schiebedach, CD-Soundsystem und Klimaautomatik ausgestattet. Wer den Patrol zum Edel-Offroader machen möchte, entscheidet sich zudem für die elektrischen Ledersitze (2.200 Euro). Leider gibt es nur vorne eine Sitzheizung. Features wie ESP, eine getrennte Klimaregelung für den Fond oder Xenon-Scheinwerfer sucht man ebenso vergebens wie eine Navigationssystem. Das bieten die meisten Konkurrenten.

Dafür bietet der Nissan Patrol GR 3.0 Di ein faires Preis-Leistungsverhältnis. Der Fünftürer kostet in der empfehlenswerten Elegance-Variante 41.900 Euro. Den Einstieg in die Patrol-GR-Klasse gibt es mit dem dreitürigen «Profi» ab 29.990 Euro.