09.03.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Der Volvo YCC verfügt über selbstöffnende Flügeltüren.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Volvo hat ein reines Frauenteam das Konzeptauto YCC bauen lassen. Das Ergebnis ist ein schickes, gut motorisiertes Coupé mit allen Finessen und pfiffigen Details.
Die Autobranche ist noch immer eine Männerdomäne. Doch in der Krise besinnt sich die angeschlagene Industrie nun darauf, dass Frauen auch kaufkräftige Kunden sind. Der Autobauer Volvo verkauft in den USA rund 54 Prozent seiner Fahrzeuge an Frauen. Für die Schweden war das Grund genug, ein Projekt zu starten, das fast schon revolutionär emanzipatorischen Charakter für einen Automobilkonzern hat. Ein reines Frauenteam aus Managerinnen, Designerinnen und Technikerinnen entwickelte des neues Konzept-Autos YCC (Your Concept Car), das derzeit auf dem Genfer Automobilsalon die Blicke auf sich zieht.
Was Frauen wollen und brauchen«Frauen wollen dasselbe wie Männer - nur mehr. Die meisten weiblichen Autokäufer haben eine längere Wunschliste», sagt die stellvertretende Volvo-Projektmanagerin Lena Ekelund bei der Vorstellung des Coupés mit Flügeltüren. Eine fiktive Frau habe für das Auto Modell gestanden. Eine glückliche, unabhängige und erfolgreiche Frau. «Bei allem, was wir in dieses Auto hineingebaut haben, haben wir uns überlegt: Braucht sie das? Wird das ihr Leben verbessern?»
Das Resultat: Ein Auto, dessen Ecken man beim Parken sehen kann, ein regulierbarer Sitz sowie Lenkrad und Pedale, die aufeinander abgestimmt sind. Die Handtasche bekommt in dem Coupé einen Extraplatz, auf dem sie zwar außer Sichtweite, aber dennoch in Reichweite ist.
Ein Pluspunkt für Fahrerinnen, die gerne einkaufen gehen: Die Türen des Coupés öffnen sich automatisch, wenn sich die Fahrerin nähert, so dass sie keine ihre Einkaufstaschen zum Einsteigen auf den schmutzigen Asphalt stellen muss.
Frau muss nicht an MotorhaubeAuch um die manikürten Fingernägel muss die Fahrerin sich keine Gedanken machen. Autowaschen dürfte sich die meiste Zeit erübrigen, da der Lack des Autos schmutzabweisend sein soll - «wie eine beschichtete Bratpfanne», betont Ekelund. Und zum Nachfüllen der Scheibenwischeranlage muss beim YCC nicht mehr erst die Motorhaube angehoben werden, die Reinigungsflüssigkeit kann über einen direkten Zugang an der Karosserie eingefüllt werden.
Ein reines Frauenauto ist der schicke Flitzer in den Augen von Projektmanagerin trotz all dieser praktischen Details nicht. «Der weibliche Touch nimmt nichts von der Fahrfreude», sagt sie. «Es ist ein Auto von Frauen für Menschen.»
Niedriger Verbrauch und strenge AbgasnormDer kräftige Fünfzylinder PZEV-Motor (Partial Zero Emission Vehicle) mit 215 PS dürfte wohl auch die meisten männlichen Fahrer mehr als zufrieden stellen. Er erfüllt - wie andere PZEV-Motoren von Volvo die strengsten Emissionsnormen, wie sie beispielsweise im US-Staat Kalifornien gelten. Hinzu kommt ein äußerst niedriger Benzinverbrauch. Das YCC ist mit einem Sechsgang-Powershift-Getriebe ausgerüstet. So kann die Fahrerin entweder mit Vollautomatik oder per Schaltfunktion (am Lenkrad) unterwegs sein.
Auch bei anderen Herstellern stoßen Frauen nach und nach in die Führungsetagen vor. Bei den US-Konzernen Ford und General Motors wurde mittlerweile ein Anteil von zehn Prozent in der Managerriege überschritten. Bei Fiat ist die Ingenieurin Cristina Siletto für die Enwicklung neuer Familienautos zuständig, bei General Motors leitet Anne Asensio die Design-Sparte.
Praktische Überlegungen im VordergrundDer Vormarsch der Frauen ist vielleicht einer, sicher aber nicht der einzige Grund dafür, dass praktische Überlegung bei den Autobauern nun größeren Raum einnehmen. Mercedes bringt im Sommer Autos mit kratzfreiem Lack auf den Markt. Das neue Cabrio soll dank Heizdüsen in den Kopfstützen auch für kalte Tage geeignet sein.
Opel und Fiat kündigen für zukünftige Modelle aufblasbare Innenausstattung und mehr Platz für Kinder an. Viele neue Modelle haben zudem jetzt schon zusammenklappbare Rücksitze, damit die Besitzer genügend Platz für ihre Einkäufe haben. (nz)